Film über Passionsspiele in Oberammergau "Die Dornenkrone neben der Flasche Bier - herrlich!"

Zwei Jahre verbrachte Jörg Adolph in Oberammergau, um eine Doku über die berühmten Passionsspiele zu drehen. Nun läuft der Film im Kino an. Ein Gespräch darüber, was den Mythos Oberammergau ausmacht und warum manche es nicht lustig finden, wenn Jesus einen neonfarbenen Skianzug trägt oder am Kreuz lacht.

Interview: Lisa Sonnabend

Er filmte, als die Bewohner sich die Haare wachsen ließen, als sie probten, gemeinsam Bier tranken und stritten. Zwei Jahre verbrachte Jörg Adolph, 44, im bayerischen Oberammergau bei Garmisch-Partenkirchen, um einen Dokumentarfilm über die Passionsspiele zu drehen, die nur alle zehn Jahre aufgeführt werden. Der Film "Die große Passion" läuft am 17. November in den deutschen Kinos an.

"Ich bin zwei Mal rausgeworfen worden": Jörg Adolph beim Dreh in Oberammergau.

(Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Sie haben einen Film über Oberammergau gedreht - und das, obwohl Sie aus Nordhessen kommen. Die Bewohner haben Sie wahrscheinlich nicht allzu herzlich aufgenommen, oder?

Jörg Adolph: Oberammergau ist eine besonders eingeschworene Gemeinschaft. Wenn man dort nicht geboren wurde, hat man es nicht ganz leicht. Andererseits ist man in Oberammergau Touristen und Medien gewohnt und so gibt es wahrscheinlich keinen Friseur im Ort, der nicht durch die Passionsspiele eine gewisse Interview-Routine erworben hat. Als Filmemacher will ich aber ja nicht nur zwei Fragen stellen und bin dann wieder weg, sondern ich bleibe und versuche, überall dabei zu sein. Es hat ein wenig gedauert, bis meine Filmarbeit akzeptiert wurde.

sueddeutsche.de: Was unterscheidet Ihren Film von den bisherigen Oberammergau-Streifen?

Adolph: Es gab grundsätzlich - auch von Oberammergauer Seite - den Wunsch, dass ein Dokumentarfilm gedreht werden soll, der einmal etwas anderes zeigt als die bisherigen Fernsehreportagen. Weniger "Making of" mit Interviews und Kommentar, vielmehr einen eigenständigen und ehrlichen spannenden Film. Einen konsequent unkitschigen Blick hinter die Kulissen des Bibelspektakels. Ich musste mich dafür beim Spielleiter Christian Stückl bewerben und auch der Gemeinderat hat über mein Filmprojekt abgestimmt.

sueddeutsche.de: Sie haben 200 Drehtage absolviert - wie steht man das durch?

Adolph: Es war ein unübersichtlich langer Zeitraum und psychologisch nicht immer einfach. Denn bei den Passionsspielen gibt es oft Streitigkeiten, die aber selten offen ausgetragen werden. Manchmal muss man dann einfach locker lassen und sagen: "Ok, ihr seid heute vielleicht mit dem falschen Fuß aufgestanden, da gehe ich mal lieber wieder." Ich bin zwei Mal auch rausgeworfen worden, aber das gehört dazu. Wichtig ist nur, dass man nach ein paar Stunden wieder zurückkommt und weiterfilmt, als wäre nichts gewesen.