Eklat um Nazi-Tattoo in Bayreuth Bayerische Staatsoper greift Wagner-Familie an

Für Bayreuth ist Sänger Evgeny Nikitin wegen seiner Tattoos mit Nazi-Symbolik untragbar geworden, in München sieht man dagegen keinen Grund, seinen Auftritt abzusagen. Im Gegenteil: Der Intendant der Bayerischen Staatsoper erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Wagner-Familie - und wirft ihr Verlogenheit vor.

Am Mittwoch sollte Evgeny Nikitin seinen bislang wohl größten Auftritt haben. Der Bassbariton war gebucht für die Titelpartie des "Fliegenden Holländers" bei den Opernfestspielen in Bayreuth. Doch daraus wird nun nichts. Nikitin sagte nach einem Gespräch mit der Festspielleitung seine Auftritte ab. Der Grund: Der frühere Metal-Musiker hatte sich in jungen Jahren Tätowierungen mit nationalsozialistischem Bezug stechen lassen.

Das umstrittene Tattoo auf seiner rechten Brust, hier zu sehen in einem Metal-Video, trägt Nikitin inzwischen nicht mehr, es wurde überstochen. Für viel Ärger sorgt es auch jetzt noch.

(Foto: Kanal Kultura/dpa)

Schon bald allerdings wird Nikitin doch noch zu einem großen Auftritt in einer Wagner-Oper kommen: Am 11. November ist er in "Lohengrin" an der Bayerischen Staatsoper vorgesehen. Und in München sieht man nach dem Eklat keinen Grund, den Auftritt des umstrittenen Bassbaritons abzusagen. Im Gegenteil. Intendant Nikolaus Bachler erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Bayreuther Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier und die gesamte Familie.

"Ich sehe in der Causa Nikitin zunächst mehr ein Problem Bayreuths und der Wagner-Familie als eines des Sängers", heißt es in einer Stellungnahme von Bachler. "Dass die Torheit eines 16-jährigen Rocksängers, der diese längst bereut und versucht hat, ungeschehen zu machen, ausgerechnet nun von der Wagner-Familie geahndet wird, finde ich verlogen." Und weiter: "Man zeigt offenbar mit dem Finger auf jemanden anderen, weil man mit der eigenen Geschichte ein Problem hat."

Nikitin habe den Vorfall nicht nur bedauert, sondern auch Reue gezeigt. Bachler sagt: "Eine Reue, die ich von der Familie Wagner in den letzten 50 Jahren nie vernommen habe."

"Wie die Vergangenheit immer noch gegenwärtig ist"

Bachler kritisiert nicht nur die Tatsache, dass Nikitin nicht mehr singen darf, sondern auch die Art und Weise, wie Bayreuth ihn dazu bewegte: "Eine gemeinsame Pressekonferenz wäre wohl ein angemesseneres Mittel gewesen, als Nikitin zum Rücktritt zu nötigen und somit den Ruf des Sängers zu beschädigen." Das Ganze sei eine unschöne Geschichte und zeige, "wie die Vergangenheit immer noch gegenwärtig ist".

Am Freitagabend war in der ZDF-Kultursendung "Aspekte" ein Beitrag über Nikitin zu sehen gewesen, den ersten Russen, der eine Hauptrolle auf dem Grünen Hügel spielen sollte. Porträtiert wird ein kurioser 38-Jähriger, der auf Wunsch sogar in der Kantine des Festspielhauses Proben seiner Kunst gibt. Der Mann aus Murmansk spielte noch bis vor zwei Jahren für eine einigermaßen abgründige russische Black-Metal-Gruppe Schlagzeug.

In dem Fernsehbeitrag war auch ein Video zu sehen, das Nikitin mit nacktem Oberkörper zeigt. Tattoos bedecken seine Arme, auf der Brust ist ein Symbol eingebrannt, das einem Hakenkreuz zumindest sehr ähnlich ist.