CSU Seehofer und der "liebe Viktor"

Gern gesehener Gast: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (rechts) 2015 mit Horst Seehofer im Kloster Banz.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Vier Besuche in drei Jahren und jetzt bald wohl der fünfte. Was findet die CSU nur an Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán, der sich zur "illiberalen Demokratie" bekennt und in Brüssel mit "Hello dictator" begrüßt wird?

Von Lisa Schnell

Etwas mehr als ein Jahr und zwei Monate ist die letzte brüderliche Umarmung her. Es hätte noch ein Treffen geben sollen im Oktober 2017. Die Sehnsucht wird sonst ja allzu groß. Der Termin platzte, der Wunsch nach einem Wiedersehen aber blieb und soll bald erfüllt werden. Nur noch ein paar Tage schlafen, und die CSU könnte wieder einen ihrer liebsten Gäste empfangen: den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.

Noch gibt es keine Bestätigung oder Zusage aus Ungarn, es wird aber erzählt, dass CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt den Mann aus Budapest zur Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten vom 4. bis 6. Januar in Kloster Seeon eingeladen hat. Dann könnte sie wieder gefeiert werden, die "einzigartige Waffenbrüderschaft", wie Orbán sein Verhältnis zur CSU beschreibt.

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Im Oktober 2016 lag er gleich zwei CSU-Chefs in den Armen, dem ehemaligen, Edmund Stoiber, und dem jetzigen, Horst Seehofer. Der besuchte "den lieben Viktor" davor in Ungarn, empfing ihn 2015 und 2014 in Bayern. Vier Besuche in drei Jahren und jetzt bald vielleicht der fünfte. Was findet die CSU nur an diesem kleinem Mann im dunklen Anzug, der sich zur "illiberalen Demokratie" bekennt, die EU-Flüchtlingspolitik der eigenen Bundesregierung (inklusive CSU) blockiert und in Brüssel mit "Hello dictator" begrüßt wird?

Als Antwort wird in der CSU erst einmal der große historische Bogen gespannt. Die Freundschaft zwischen Bayern und Ungarn gehe weit zurück. Seehofer hat Orbáns Biografie studiert und bewundert dessen Kampf gegen die Kommunisten, als dieser noch lebensgefährlich war. Und nicht nur er. Es gebe deshalb sogar eine "Heroisierung Orbáns" in der CSU, sagt ein Mitglied. Wem das hohe Heldenlied nicht zusagt, dem werden pragmatisch Zahlen empfohlen. Etwa die von Audi, ansässig in Seehofers Heimatstadt Ingolstadt und dankbar für die wunderbaren Produktionsbedingungen in Ungarn. Das sei doch ein Argument, freundlich zu sein, heißt es.

Ein weiteres Argument sind außerdem wohl all die Kameras, die bei CSU-Veranstaltungen von Journalisten gleich in doppelter Zahl aufgebaut werden, wenn die Mikros ein provozierendes Orbán-Wort aufnehmen könnten. Zur Januar-Klausur der CSU passt das besonders, wo die Partei gerne mit markigen Sprüchen ihren Jahresauftakt setzt. Traditionell feuert sie ihre Kurz-und-Schmerzlos-Weisheiten schon in der stillen Zeit um den Jahreswechsel ab, wo sie besonders gut knallen. Jetzt konnte mit der durchgesickerten Nachricht von Orbáns Besuch schon in der Weihnachtszeit beobachtet werden, wie Provokation und mediale Aufmerksamkeit aufeinander folgen. Wer nicht Teil dieser Praxis sein möchte, möge nun aufhören zu lesen.

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Alle anderen seien an die Zeit im September 2015 erinnert, wo die CSU mal wieder von Orbán besucht wurde und damit eine klare Botschaft nach Berlin sandte. Die Flüchtlingsdebatte war auf ihrem Höhepunkt, Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der CSU so umjubelt wie Orbán bei den Grünen. Und Seehofer kaum bemüht, seine Freude zu unterdrücken, als sein Gast der Kanzlerin "moralischen Imperialismus" vorwarf. Jetzt aber sind Merkel und Seehofer wieder so innig, dass sie "Marmor, Stein und Eisen bricht" trällern wollen. Die Botschaft ist deshalb wohl eine andere. Dobrindt, wie Orbán nicht als Europajünger bekannt, zeigt, wie er die Landesgruppe im Vergleich zu seiner Vorgängerin Gerda Hasselfeldt führen will. Eher provokant als ausgleichend. Und die CSU gibt einen Vorgeschmack, wie sie in die Landtagswahl 2018 gehen will: auch eher provokant.

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