CSU-Chef unterstützt Ex-Minister Seehofer lobt Guttenberg herbei

Trotz seiner Kritik an der CSU will Parteichef Horst Seehofer den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zurück in die Politik holen. Allerdings schwindet in dessen fränkischer Heimat inzwischen der Rückhalt.

Von Mike Szymanski

Trotz des Frontalangriffs Karl-Theodor zu Guttenberg auf die CSU in seinem Interview-Buch "Vorerst gescheitert" will Parteichef Horst Seehofer den Ex-Verteidigungsminister in die Politik zurückholen. "Ich werde mich im Jahr 2012 sehr darum bemühen, dass wir zu gegebener Zeit den Karl-Theodor wieder auch für eine aktive Rolle in der CSU gewinnen", sagte Seehofer in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Er glaube, dies werde ihm auch gelingen.

Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf den Titel seines letzten Buch - Titel: "Vorerst gescheitert".

(Foto: dapd)

Guttenberg hatte den Ärger des Parteichefs auf sich gezogen, als er Ende November in dem Interview-Buch der CSU den Charakter einer Volkspartei absprach und ihr unter anderem vorhielt, Spinnweben angesetzt zu haben. Öffentlich, aber auch in internen Sitzungen der Parteiführung hatte Seehofer sein Unverständnis drüber ausgedrückt. Kaum ein anderer Parteifreund habe so viel Solidarität erfahren wie Gutenberg während der Plagiatsaffäre, die am 3. März zu seinem Rückzug aus der Politik führte.

Seehofer nannte Guttenbergs Verhalten zwar abermals "nicht sehr hilfreich" - auch nicht für die CSU. Man dürfe allerdings jetzt nicht weiter nachtreten. Der CSU-Chef bezeichnete Guttenberg als "sehr, sehr fähigen Politiker."

Dennoch schwindet selbst in Guttenbergs fränkischer Heimat der Rückhalt für den Ex-Politiker. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn aus dem Nachbarwahlkreis sagte der Süddeutschen Zeitung: "Das politische Kapital Karl-Theodor zu Guttenbergs bestand darin, dass viele ihre Hoffnungen darauf gesetzt haben, er würde geradlinig und glaubwürdig handeln. Diese Hoffnungen sind nicht nur mit der Dissertation enttäuscht worden, die entgegen seiner ehrenwörtlichen Versicherung keine eigenständige Arbeit war, sondern auch mit dem Interviewbuch, das die Realität schlicht ausblendet. Er sollte reinen Tisch machen."

Die örtlichen CSU-Funktionäre erhöhen den Druck auf Guttenberg, sich zu seinen Zukunftsplänen zu äußern. Ursprünglich wollten sie ihm bis Sommer den Bundestagswahlkreis freihalten. Der CSU-Kreisvorsitzende und Landrat von Lichtenfels, Christian Meißner, macht deutlich, dass die Entscheidung so lange nicht warten könne. "Nach der ganzen Aufregung wäre ein Gespräch schön. Wenn er nicht kandidieren will, müssen wir das rechtzeitig wissen." Spätestens bis Ende Februar erwartet er ein Gespräch.