Coburg Ungewöhnliche Koalition für die Kunst

Eine Hommage an London und Shakespeare: Der Entwurf der Studenten für ein Globe-Theater in Coburg könnte bald Realität werden. Entwurf: Anders Macht, Isabell Stengel

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Ein Globe-Theater für Coburg wird immer wahrscheinlicher. Weil zwei Studenten, ein Linker, der Brose-Boss und der Finanzminister zusammenwirken.

Von Olaf Przybilla, Coburg

Anders Macht hat Schwierigkeiten, das alles zu verarbeiten. Eigentlich hatten er und seine Kommilitonin Isabell Stengel ja nur diese Idee für eine Hochschularbeit: ein paar Gedanken machen für eine Ausweichspielstätte des Landestheaters. Und natürlich war ihnen als Coburger Studenten bewusst, dass es Coburgs Prinz Albert war, dessen Name bei den britischen Royals Karriere gemacht hat - selbst Ignoranten mögen schon von der Royal Albert Hall gehört haben. Insofern, sagt Macht, lag ein Globe-Theater-Bau, an London und an Shakespeare erinnernd, doch irgendwie in der Luft. Aber wie das eben ist mit der Utopie in der harten Wirklichkeit: Die studentische Idee war längst tot, zerborsten im Streit der Parteien. Könnte nun aber eine phönixhafte Wiederauferstehung feiern am Donnerstag bei einer Globe-Sondersitzung des Stadtrats. "Das ist total unwirklich", sagt Macht, "ein Wahnsinn."

Es gibt noch ein paar andere Facetten an dieser Geschichte, die sie unwirklich erscheinen lassen. Etwa das Detail, dass es die Fraktion aus Linken und SPD-Abtrünnigen war, die wenige Tage vor Weihnachten und wenige Stunden vor Torschluss einen Eilantrag in der Sache in den Stadtrat eingebracht hat, wohlgemerkt nach zwei Jahren verschlungener Ausweichspielstätten-Debatte. Und es gibt das Detail, dass hinter diesem Antrag ein Mann steht, dem man manches nachsagen kann, nicht aber eine spürbare Nähe zu politischen Initiativen aus der dezidiert antikapitalistischen Ecke: Michael Stoschek. Der Mann ist De-facto-Chef von Brose, einem der größten Automobilzulieferer der Welt, und gilt als einer der reichsten Bürger der Republik. Da stößt die Sympathie für Anträge der Linken an natürliche Grenzen.

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Stoschek ist bestens gelaunt. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihn das alles amüsiert - und Einteilungen auf der Karte politischer Himmelsrichtungen so gar nicht seinem Wesen entsprechen. Ja, er ist CSU-Mitglied, sagt Stoschek im SZ-Gespräch. Aber mehr auf dem Papier. Nicht mal "wertkonservativ" würde er sich gerne nennen lassen. Dass er einmal vieles daran gesetzt hat, den damaligen Coburger OB Norbert Kastner, einen SPD-Mann, aus dem Amt zu hebeln und zu dem Zweck an der Seite der CSU in den Wahlkampf zog - mag sein. Das aber habe an Kastner gelegen. Ihm, Stoschek, sei "Ideologie" immer fremd gewesen. "Mir geht es um pragmatische Lösungen", will Stoschek zu Protokoll genommen wissen. Und er brenne für das Globe. "Das ist mein Kind", sagt der 70-Jährige.

Nun könnte man auch die Studenten Macht und Stengel für Eltern des Projekts halten. Oder den Stadtrat der Linken, René Hähnlein, mit seinem Eilantrag. Oder den emeritierten Professor Auwi Stübbe, der gebannt die Coburger Debatte verfolgte und nicht fassen konnte, dass die beste aller Ideen, das Globe der Studenten, in der Schublade verschwand, ehe jemand einen zweiten Gedanken darauf verschwendete. Stübbe brachte dann die Linken und den faktischen Boss von Brose zusammen.

Einen Teil der Vaterschaft aber wird Stoschek auch für sich beanspruchen dürfen. Er war es, der auch die HUK Coburg und Kaeser-Kompressoren zu überzeugen verstand. Drei Millionen Euro wollen die drei Unternehmen nun fürs Globe beisteuern. Und Stoschek war es, der über möglichst viele Kanäle zu verbreiten versuchte, dass Coburg und das Land Bayern gerade im Begriff seien, sich der "Steuerverschwendung" schuldig zu machen. Es geht dabei um eine Festlegung in der Finanzierungsvereinbarung. Bayern wollte demnach nur dann drei Viertel der Baukosten übernehmen, wenn die Interimsspielstätte nach fünf Jahren wieder abgerissen würde.

Stoschek sprach also mit Finanzminister Markus Söder (CSU). Wenn man sich die Protagonisten dieser Geschichte (zwei Studenten, Stoschek und ein Linker) so gar nicht an einem Strang ziehend vorzustellen vermochte - dass Söder und Stoschek miteinander können, das umso besser. Stoschek berichtet von einem guten Gespräch ("Söder hat das zur Chefsache erklärt") und davon, dass man sich bald einig gewesen sei, dass zehn Millionen Euro für ein Interim Quatsch sind, wenn man für einen Staatszuschuss in der Höhe womöglich ein festes Haus bekommen kann. Nun gibt es also eine Zehn-Millionen-Euro-Zusage; und "fast stündlich" neu eingehende Ideen, wie man das Globe nach seiner Zeit als Ausweichspielstätte nutzen könnte. So berichtet es Stoschek. Zweifel, dass der Stadtrat am Donnerstag dem Globe zustimmt? Haben weder der linke Stadtrat noch der Brose-Boss.

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