Neuer 1.5 TSI-Vierzylinder-Turbo VW setzt jetzt auf Benzinmotoren

Der neue 1,5-Liter-TSI-Benzinmotor soll bis zu einen Liter Sprit pro 100 Kilometer sparen.

(Foto: Volkswagen AG)

VW hat den Abgasskandal ausgelöst, jetzt kehrt der Hersteller dem Diesel allmählich den Rücken. Der neue Motor steckt voller Hightech - und ist doch nur eine Übergangslösung.

Von Joachim Becker

VW will eine führende Rolle bei der Elektromobilität spielen. Noch ist der Batterieantrieb aber eine Mikro-Nische im Antriebsportfolio der Wolfsburger. Das Geld für den Technologiewandel müssen die klassischen Verbrennungsmotoren verdienen. Mit ihrer Optimierung sollen auch strengere CO₂-Ziele erreicht werden. "Im Mittel wird in den drei großen Regionen Nordamerika, China und Europa eine Senkung des durchschnittlichen Flottenverbrauchs von zirka vier bis fünf Prozent jährlich gefordert", sagt Friedrich Eichler, "zur Einhaltung der entsprechenden Flottengrenzwerte sind große Technologiesprünge bei den Verbrennungsmotoren und der Ausbau elektrifizierter Antriebe notwendig."

Als oberster VW-Motorenentwickler nahm sich Eichler zwischen den Rettungseinsätzen für den Diesel noch die Zeit, um einen neuen Hoffnungsträger der Wolfsburger vorzustellen: Auf dem Wiener Motorensymposium präsentierte er den 1,5-Liter-TSI, der bei seiner Markteinführung Ende dieses Jahres in zwei Leistungsstufen von 96 kW und 110 kW angeboten wird.

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"Verbrauchsvorteil von einem Liter auf 100 km"

Die weiterentwickelten Vierzylinder-Ottomotoren mit Direkteinspritzung und Turboaufladung sollen konzern- und weltweit den Verbrauch senken. "Mit dem EA 211 TSI evo macht die TSI-Technologie einen entscheidenden Entwicklungsschritt. Damit sind Wirkungsgradvorteile von bis zu 10 Prozent im Vergleich zum bisherigen 1,4-Liter-TSI (92 kW) erreichbar. Für den Kunden bedeutet dies einen Verbrauchsvorteil in der Größenordnung von einem Liter auf 100 km", verspricht Friedrich Eichler.

Der Effizienzgewinn erstaunt, weil der Motor etwas mehr Hubraum als sein Vorgänger hat. Nach herkömmlicher Lehrmeinung müsste er mehr Sprit verbrauchen, weil die Reibungs- und Wärmeverluste höher sind. Doch Toyota zeigt seit Jahrzehnten, dass der niedrige Verbrauch seines Hybridsystems nicht zuletzt auf einem sparsamen Brennverfahren (Atkinson-Zyklus) basiert. Mazda punktet seinerseits mit seinen hoch verdichteten Benzinern.

Fast so viel Hightech wie ein Porsche-Motor

Die VW-Entwickler greifen die beiden Ansätze auf und ziehen nun alle Technik-Register, die bisher für einen Universalmotor zu teuer erschienen: Sie übernehmen die Zylinderabschaltung ACT und kombinieren ein Miller-Brennverfahren mit einem hohen Verdichtungsverhältnis von 12,5 : 1, einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG) und einer Common-Rail-Einspritzanlage mit bis zu 350 bar Druck. Viel mehr Hightech hat auch ein Porsche-Motor derzeit nicht zu bieten.

"Die Verbrauchswunder der Zukunft kommen nicht mehr aus dem Downsizing", erklärt Axel Eiser. Der frühere Chef der Audi-Antriebsentwicklung hat bei Volkswagen vor drei Monaten die konzernweite Verantwortung für die gesamte Aggregate-Entwicklung übernommen. Jahrelang versuchten die Techniker, immer kleinere Motoren immer stärker aufzuladen, um den Verbrauch zu senken. Doch die heißere Verbrennung der Downsizing-Motoren verursacht höhere Emissionen - was die Abgasnachbehandlung bei Benzinern und Dieselmotoren verteuert.