Maxi-Scooter im Fahrbericht Ein Hersteller aus Taiwan wagt die Attacke auf BMW

Der Maxi-Scooter Kymco AK 550 kostet 9790 Euro und ist damit deutlich günstiger als die Konkurrenzmodelle.

(Foto: Kymco)

Der Maxi-Scooter Kymco AK 550 bietet ein souveränes Fahrverhalten und viel Ausstattung für wenig Geld. Damit könnte er der Konkurrenz sehr gefährlich werden.

Von Norbert Meiszies

Mit mehr als zehn Millionen verkauften Motorrollern und -rädern, E-Bikes und ATV (Quads) in den vergangenen fünf Jahrzehnten gehört der taiwanische Fahrzeughersteller Kymco (Kwang Yang Motor Company) zu den Großen der Branche. So lässt etwa BMW den Motor für die eigenen Roller-Modelle C 650 GT und C 650 Sport bei Kymco produzieren, bevor die Scooter endgültig in Berlin vom Band laufen.

Auf der letztjährigen Branchenmesse Intermot in Köln sorgten die Taiwaner dann für reichlich Aufsehen, als sie einen eigenen Maxi-Scooter speziell für Europa präsentierten, den AK 550, der jüngst in den Handel kam. Kein Wunder, dass sogleich gemutmaßt wurde, dass bei der Entwicklung des Rollers Technik-Know-how aus München mit eingeflossen sein könnte. Gegen den Vorwurf verwahrt sich Kymco-Chef Allen Ko natürlich: "Der AK ist das erste Fahrzeug unseres neuen Konzepts des Super Touring. Er verbindet die Vorteile eines Rollers mit der Performance eines Motorrades."

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In der Tat, der Kymco-Maxi quetscht aus dem neu entwickelten, wassergekühlten Zweizylinder-Reihenmotor mit 550 Kubikzentimeter Hubraum, 270-Grad-Kurbelwelle und Trockensumpfkupplung eine Leistung von 51 PS heraus. Das sind zwar neun PS weniger als beim hubraumstärkeren BMW C 650, aber immerhin fünf PS mehr als beim direkten Konkurrenten, dem ebenfalls neuen Yamaha TMAX 530.

Bereits beim Anlassen lässt der Motor aufhorchen. Der Sound erinnert an ein V-Twin-Motorrad. Seine Charakteristik liegt zwischen der sonoren Sanftheit des TMAX und der Rauigkeit des BMW-Rollers. Kymco bietet zudem zwei Fahrmodi an, für Regen und Normalbetrieb. Allerdings erfolgt die Umstellung in den Regenmodus nur bei einer Geschwindigkeit unter 20 Kilometer pro Stunde, außerdem ist ein Unterschied zwischen den beiden Modi kaum spürbar.

Umfangreiche Ausstattung zum günstigen Preis

Das Chassis ist in dieser High-End-Klasse Stand der Technik, ein Alu-Brückenrahmen mit angeschraubtem Heck. Eine USD-Gabel und ein Monofederbein mit jeweils 130 Millimeter Federweg halten die beiden 15-Zoll-Räder sportlich straff auf dem Boden. Selbstverständlich besitzt der Roller ein Bosch-ABS der neuesten Generation mit radialen Brembo-Vierkolbenzangen an den beiden Bremsscheiben vorn und Zweikolbenzange mit einer Scheibe hinten. Nur eine Traktionskontrolle fehlt.

Auch bei der Ausstattung haben die Taiwaner nicht gegeizt. So gibt es neben der Rundum-LED-Beleuchtung zwei Handschuhfächer in der Frontverkleidung inklusive USB-Anschluss und ein großzügiges Staufach unter der bequemen Sitzbank. Neu ist die Einbettung der von Kymco entwickelten Smartphone-Integration Noodoe in das Cockpit. Das wirkt mit den drei Digitalanzeigen und der Möglichkeit, in der mittleren Anzeige verschiedene eigene Motive einspeisen sowie unterschiedliche Apps laden zu können, recht unübersichtlich. Außerdem spiegelt die Anzeige bei Sonneneinstrahlung stark. Wesentlich praktischer ist das Keyless-System, das mittels Transponder in der Hosentasche die Zündung bedient sowie auf Knopfdruck Tankklappe und Sitzbank öffnet.

Neben den ausgezeichneten Fahrleistungen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde und dem sehr agilen Fahrwerk sorgt vor allem der Preis von 9790 Euro für Kopfschmerzen bei den Mitbewerbern. Das sind zwischen 1 500 und 3500 Euro weniger als Yamaha und BMW für ihre Maxis verlangen. Wie ernst man dort den AK 550 inzwischen nimmt, sieht man an der Äußerung von BMW-Motorrad-Chef Stephan Schaller, dass man sich durchaus vorstellen könnte, für den für 2018 angekündigten BMW Mittelklasse-Scooter "ein neues Netzwerk im asiatischen Raum aufzubauen".

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