Luxus-Roadster im Fahrbericht Der Mercedes SL wird höflicher

Der Neue ist noch der alte: Ein perfekter Gleiter war der Mercedes-Klassiker SL auch schon vor der Überarbeitung.

(Foto: Mercedes)

Mercedes hat seinen Luxus-Roadster fit gemacht. Er sieht jetzt sportlicher aus, hat mehr Leistung und einige sehr praktische Details hinzubekommen.

Test von Michael Specht

Die Zeiten sind schwer für Cabrios, Roadster und Spider. Das bekommt auch Mercedes zu spüren. Besonders trifft es den SL, von dem jährlich nur noch rund 10 000 Stück in Bremen produziert werden. Die meisten für Amerika. In Deutschland wurden 2015 lediglich 829 Stück zugelassen, so viele SL hat Mercedes hier einst monatlich abgesetzt.

Ob der SL je wieder wie Anfang der 90er-Jahre das Lieblingscabrio der Deutschen wird, ist also fraglich. Ein offener Sportwagen taugt nicht mehr wie früher als Statussymbol. "Die Menschen zeigen das heute lieber mit einem luxuriösen SUV", sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Ungewöhnlich umfangreiche Optik-Änderungen

Mercedes wird dennoch am SL festhalten. Und hat ihn gerade gründlich modernisiert. Dazu ging man - ungewöhnlich bei sogenannten Facelifts - dem Roadster sogar ans Blech. Das ist teuer, aber wohl notwendig, um dem Roadster ein deutlich sportlicheres Aussehen zu verpassen, als er derzeit hat.

Er brachte deutsche Techniker zum Tanzen

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Die größte Änderung erfuhr der Vorderwagen. Sollte die Front zuvor an den bulligen Flügeltürer SLS erinnern, so kramte Designchef Gorden Wagener diesmal tiefer in der Ahnengalerie. Pate stand der berühmte Rennwagen 300 SL Panamericana mit seinem nach unten breiter werdenden Grill. Zudem erhielt die Motorhaube zwei Ausbuchtungen, sogenannte Powerdomes, wie sie bereits der erste SL hatte. Und weil die neuen LED-Scheinwerfer andere Kotflügel erforderten, hat man auch gleich die seitlichen Luftauslässe vergrößert. Hinten leuchtet der SL nun komplett in Rot, und eine AMG-Heckschürze mit Diffusor und integrierten Endrohrblenden soll ausreichend Motorleistung symbolisieren.

Vier Motoren von 367 bis 630 PS

Die beginnt mit dem Drei-Liter-V6 als Einstiegsbenziner (SL 400, ab 99 097 Euro). Er leistet 367 statt zuvor 333 PS. Im SL 500 wummert weiterhin der 4,7-Liter-V8, aber jetzt mit 455 PS, ein Plus von 20 Pferdestärken. Auf 585 PS kommt die AMG-Variante SL 63, ebenfalls ein Achtzylinder, aber mit 5,5 Liter Hubraum. Top-Modell der Baureihe bleibt der AMG-SL 65 mit seinem Sechs-Liter-V12 und 630 PS. SL 400 und SL 500 sind jetzt mit der neuen 9G-Tronic-Automatik ausgestattet, die derart geschmeidig arbeitet, dass man sie fast nicht mehr spürt. In den AMG-Versionen arbeitet weiterhin die Sieben-Gang-Automatik, da nur sie in der Lage ist, das gebotene Drehmoment wegzustecken.

Fahrdynamisch zählte der SL auch schon vor der jüngsten Kur zu den Sportwagen, die einen gelungenen Kompromiss aus Komfort und Dynamik bieten. Er kann also beides, perfekt gleiten und spielerisch zügig ums Eck fegen - besonders, wenn man die serienmäßig verfügbaren fünf unterschiedlich festen Fahrwerkseinstellungen nutzt.