Elektromobilität Alles auf eine Karte

Ein VW Käfer hängt auf der Hannover Messe am Ladekabel. Die komplizierte Bezahlung an der Ladesäule ist ein zentrales Problem der E-Mobilität.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Es ist nicht leicht, ein Elektroauto aufzuladen. Auch deshalb, weil es viele unterschiedliche Bezahlsysteme gibt. Das soll sich nun ändern - und ist unbedingt nötig, um der Elektromobilität einen Schub zu verleihen.

Von Thomas Fromm

Wer mit einem normalen Auto durch Deutschland fährt, braucht eigentlich nur eine einzige Karte - seine EC-Karte. Damit kann er tanken, überall und so oft er will. Wer dagegen mit einem Elektroauto durch Deutschland fährt, kommt mit einer einzigen Karte nicht aus. Er braucht, um von - sagen wir - Wolfsburg über Stuttgart und München nach Berlin und wieder zurück zu fahren: ein paar Dutzend Karten. Zumindest dann, wenn er an öffentlichen Plätzen aufladen will.

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Immer wieder neue Energieversorger, Hunderte von Stadtwerken, und völlig unterschiedliche Zugangssysteme - es genügt, dass jemand von einer Region in die andere fährt, seinen Stromanbieter wechselt - und schon hat er technische Probleme. Nun wissen aber auch die Hersteller solcher Elektroautos: Nicht sie allein bestimmen über den Erfolg der alternativen Stromer. Es sind vor allem diejenigen, die die Infrastruktur anbieten, die das letzte Wort haben.

Von Schaufenster zu Schaufenster

Um Forschung und Entwicklung von Elektromobilität in Deutschland zu fördern, hat die Bundesregierung schon 2012 insgesamt vier "Schaufenster Elektromobilität" eingerichtet. Hier wurde nun getestet: Wie lassen sich die vielen unterschiedlichen Systeme mit ihren verschiedenen Abrechnungsarten und Datenstandards besser vernetzen?

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Das Ergebnis, so Franz Loogen, Chef des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg: "Wir sind jetzt so weit, dass wir mit einer einzigen Karte durch das Schaufenster in Baden-Württemberg fahren können. Darüber hinaus wird es schwierig. Doch: Ich gehe davon aus, dass ein deutschlandweites Roaming mit einer einzigen Karte zum Aufladen spätestens 2016 möglich sein wird." Ziel sei, dass die Fahrer "ein barrierefreies Zugangs- und Abrechnungssystem für das Laden ihrer Autos zur Verfügung" hätten.

"Ladenetz" vs. "Hubject"

Es geht bei all dem, wie so oft, um Politik. Vor allem größere Anbieter halten ihr Bezahlsystem für das Beste. Die meisten sind bereits Teil großer, so genannter "E-Roaming-Netzwerke" - Roaming soll hier ähnlich funktionieren wie in der Telekommunikation: Sobald ein Nutzer das Gebiet eines Netzes wechselt, wechselt das Netz gleich mit.

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Beim Aufladen von Elektroautos gibt es derzeit zwei solcher Netzwerke, sie heißen "Ladenetz" und "Hubject" - sie arbeiten getrennt. "Unser Ziel ist die Barrierefreiheit für E-Autos", sagt Loogen. "Dafür müssen beide in Zukunft enger miteinander kooperieren." Neben "Ladenetz" und "Hubject" gibt es noch eine Reihe von Gegenden, die Loogen "gallische Dörfer" nennt. Sie gehören zu keinem Netzwerk - es sind ziemlich schwierige Gegenden für E-Autos.