Blow-ups auf der Autobahn Die marode Straßeninfrastruktur stößt an Grenzen

Obwohl Blow-ups in aller Munde sind, existiert eine erstaunliche Forschungslücke. "In Wahrheit wissen wir vieles noch nicht", sagt Martin Radenberg, Professor für Verkehrswegesysteme an der Uni Bochum. So hätten sich Dübel und Anker von Fahrbahnen mit dünner Betondecke als besonders anfällig erwiesen. Doch warum sich manche unter starker Hitze wölben und andere nicht, könne bisher niemand mit Sicherheit sagen. Da sich das Klima - nicht zuletzt durch den Autoverkehr - wandelt, ist womöglich ein Umdenken im Straßenbau erforderlich. Könnten zusätzliche Dehnungsfugen im Unterbau helfen? Reicht eine dickere Betonschicht? Oder doch nur ein Zusatzbelag aus Asphalt? Alles Fragen, die noch offen sind.

So mancher Verkehrsteilnehmer wird da nervös. Ende Juni demonstrierten in Regensburg 70 Motorradfahrer für eine schnelle Sanierung der "lebensbedrohenden Straßen". Das wäre teuer. Wie hoch die Kosten genau sind, kann das Verkehrsministerium auf Nachfrage nicht beziffern. 2014 habe die Bast rund 640 Autobahnkilometer Strecke kontrolliert, die als Blow-up-gefährdet gelten. Passiert ist dann aber nur an wenigen Stellen etwas, zum Beispiel auf der A 92, wo Dehnungsfugen auf insgesamt 19 Kilometern eingesetzt wurden. Oder auf der A 3, wo zwischen Regensburg und Straubing die Betondecke erneuert werden musste.

Verfall programmiert

Das deutsche Verkehrsnetz ist marode, für den Erhalt von Straßen und Brücken fehlen Milliarden. In der Rhein-Main-Region sorgte die Sperrung der Schiersteiner Brücke jetzt für ein Verkehrschaos. Dabei ließe sich der Verfall mit neuen Technologien aufhalten - wenn sie rechtzeitig eingesetzt werden. Von Steve Przybilla mehr ... Analyse

Der Schwerlastverkehr hat enorm zugenommen

Andere Maßnahmen klingen eher nach Flickschusterei. Beispiel A 3: Die neu eingebauten Entspannungsbereiche werden dort "regelmäßig überprüft und bei möglichen Aufwölbungen geglättet", heißt es im Blow-up-Aktionsplan. Mit Pfusch am Bau habe das alles allerdings nichts zu tun, vermutet Straßenbau-Experte Radenberg. "Man darf nicht vergessen, dass die Belastung durch den Schwerlastverkehr enorm zugenommen hat." Auch das Argument, im heißen Südeuropa gebe es keine Blow-ups, lässt Radenberg nicht gelten: "Dort wird vor allem mit Asphalt gebaut, der aber andere Schwächen hat." Er weicht bei starker Hitze auf, wodurch sich Spurrillen bilden können.

Solange es kein Patentrezept gegen Blow-ups gibt, bleibt also ein Restrisiko, so wie überall im Straßenverkehr. Dabei hat das neuerliche Interesse an den Wölbungen durchaus etwas Gutes: Im ganzen Land sind die Fahrzeuge der Straßenbaubehörden unterwegs, um Blow-ups schnell zu entdecken. Dabei fällt mit Sicherheit auch so manch anderer Schaden auf - und wird hoffentlich schnell geflickt, bevor die Reisewelle losrollt.