Anspruch und Wirklichkeit bei Automodellen Alphabet der automobilen Enttäuschungen

Es gibt keine schlechten Autos mehr? Das mag stimmen, wenn man nur von A nach B kommen will. Doch Beispiele für Etikettenschwindel, gruselige Designs und ungeschickt platzierte Bedienungsinstrumente gibt es genug. Eine Übersicht.

Von Georg Kacher

Es gibt Dinge, auf die muss der Autofahrer vermutlich ewig warten. Für den Wagen, der garantiert nicht verunfallen kann, fehlt die vernetzte Infrastruktur. Für den Reifen, der nicht mehr platzen kann, fehlt die Bereitschaft, in neue Technologien wie Füllschaum oder eine versteifende Wabenstruktur zu investieren. Für ein Scheibenreinigungssystem, das den antiquierten Scheibenwischer ersetzen kann, fehlt der Geistesblitz.

Für ein Bedienkonzept, mit dem selbst Unbegabte auf Anhieb umgehen können, fehlt der Konsens zwischen den rivalisierenden Anbietern. Schieben, drücken, kippen, ziehen, drehen - fast jede Marke verfolgt hier ihr eigenes Ding, das nicht immer in erster Linie der Funktionalität verpflichtet ist. Wer sich schon einmal nach der Mietwagenübernahme mit der überfrachteten Mittelkonsole eines aktuellen Ford oder Opel konfrontiert sah, weiß, was gemeint ist.

Sie sehen schon: es geht hier nicht nur um Komplettausfälle wie den Lada Niva oder den Renault Latitude. Uns beschäftigt vielmehr die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Erwartung und Erfüllung. Je weiter diese Pole voneinander entfernt sind, desto schlechter werden wir das Modell XYZ in Erinnerung behalten.

Ein Punto von Armani

Unsere Reise durch das Alphabet der automobilen Enttäuschungen beginnt beim Alfa Romeo Mito Twinair, den selbst Alfisti als einen von Armani eingekleideten Punto empfinden, dem die Controller ein Herz von H+M eingepflanzt haben. Nein, auch Audi baut bestimmt keine schlechten Autos. Aber warum schafft die Marke mit den vier Ringen immer noch nicht den Spagat zwischen geschmeidigem Fahrkomfort und knackigem Handling? Und warum klafft zwischen der erreichten Perfektion und der viel beschworenen Emotion seit Jahren eine fast unverändert große Lücke? RS4, S7 oder Q7 V12 sind unglaublich schnell und souverän, aber der vermittelte Erlebniswert ist so spritzig wie der Prosecco von vorgestern.

BMW überlässt es dem Kunden, seine Autos schlecht zu machen. Das klappt problemlos - man muss nur zum Beispiel einen X3 35i mit Sportfahrwerk, 19-Zöllern, Verstelldämpfern und Sportlenkung bestellen. Das Resultat ist ein unkomfortabler Crossover, der schlecht geradeaus läuft, zickig lenkt und zu viel verbraucht. Schlechte Erfahrungen haben wir auch mit dem frühen Chevrolet Captiva gemacht. Schlecht und wie beiläufig verarbeitet, ruppig motorisiert, unharmonisch abgestimmt. Die Zeiten der wirklich schlechten Citroën wie Xsara oder Saxo sind zwar längst vorbei, aber leider ist die Marke inzwischen auch des avantgardistischen Designs und der innovativen Technik verlustig gegangen. Kuckuckseier wie C1, C4 Aircross oder C-Crosser ramponieren das Image und frustrieren die Kunden. Der DS5 galt als große Comeback-Chance, aber er hat das Federn verlernt und das grandiose Raumgefühl einer DS verpasst.

Automobile Demokratisierung macht keinen Spaß

Dacia steht für die Demokratisierung der Mobilität - viel Auto für wenig Geld. Das mag sinnvoll sein, aber es macht keinen Spaß. Die Grenze zum schlechten Auto tangiert die Renault-Tochter nicht nur mit billigen Werkstoffen und schwacher Geräuschdämmung, sondern auch in puncto Sicherheitsausstattung und Fahrdynamik. Fiat baut Modelle wie den 500, dem wir fast alles verzeihen, weil er Stil hat und Charakter. Doch bei Punto und Bravo tendiert diese Nachsicht gegen null, denn wenn schon der Pragmatismus auf der Strecke bleibt, dann hätte man wenigstens gerne ein Mindestmaß an Komfort, Lenkqualität und Anmutung. Honda vertraut bei Insight und CR-Z auf die Hybridisierung, aber leider fahren wir schlecht damit, trotz tiefgrünen CO2-Werten und progressivem Design. Die zwei Modelle leiden unter schlechter Übersichtlichkeit, temperamentlosem Antrieb, bedenklichem Komfort und dürftigen Werkstoffen.

Für Hyundai und Kia gilt das Gleiche wie für Opel und Ford: ordentliches Mittelmaß, getrübt durch gelegentliche Mängel im Detail. Kein Grund zum Jubeln, aber auch keine rote Karte. Jeep soll im Schulterschluss mit Alfa und Maserati zur Kultmarke ausgebaut werden. Als ultimative Offroad-Ikone glänzt der Wrangler, der - analog zum Defender - dafür auf befestigten Straßen keinen Stich macht. Ein schlechtes Auto? Überall, außer im Gelände.