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Windenergie-Prognosen:Und jetzt die Energie von morgen

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Seit Anfang August erfasst die gelbe Boje vor Borkum, wie der Wind über die Generatoren des Alpha-Ventus-Parks streicht.

(Foto: Fraunhofer IWES)

Windstrom wird verkauft, bevor der Wind weht. Gute Prognosen sind also nötig, nur leider schwierig zu erstellen. Nun steigt auch IBM in das Geschäft mit den Vorhersagen ein.

Seit ein paar Wochen dümpelt eine gelbe Boje in der Nordsee, 25 Seemeilen vor Borkum, beim Windpark Alpha Ventus. Auf dem Foto, das die Leute vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiessysteme (IWES) verbreiten, sieht die Szene friedlich aus, die See ist ruhig, die Sonne glitzert auf dem gekräuselten Wasser. Aber die Nordsee kann auch anders, und genau dafür ist die Boje da. Sie misst mit in den Himmel gerichteten Laserstrahlen den Wind, der die Rotoren der Anlage umtost, in Höhen von 40 bis 200 Metern über dem Meeresspiegel. Dass die Wellen das Gerät hin und her werfen, haben die Entwickler einkalkuliert; die Boje kann auch messen, wenn sie schaukelt.

Die präzisen Daten direkt aus einem Windpark helfen den Betreibern einerseits abzuschätzen, wie plötzliche und heftige Bojen ihren Windrädern zusetzen. Sie sollen aber auch die Vorhersage verbessern, wie viel Strom die Anlage in den kommenden Stunden liefern kann. Der Ertrag ist schließlich wie die Sonnenenergie stark vom Wetter abhängig. Die Besitzer solcher Anlagen müssen ihre Elektrizität dennoch mit einem Tag Vorlauf an der Strombörse in Leipzig anbieten und dann zur vereinbarten Stunde auch liefern können. Die Leistungsvorhersage ist daher ein intensives Forschungsgebiet, und nach vielen kleineren Firmen drängt nun auch der Computerkonzern IBM auf diesen Markt, wie er in der vergangenen Woche ankündigte.

"Um die Leistungsvorhersage zu verbessern, muss man zunächst einmal die Wetterprognose optimieren, die ihr zugrunde liegt", sagt Renate Hagedorn vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Sie leitet dort das Forschungsprojekt Eweline, an dem auch Firmen aus der Energiewirtschaft beteiligt sind. "Für Windparks müssen wir den Wind in 100 Metern Höhe angeben, da haben wir früher kaum hingeguckt."

Kern des Ansatzes ist es jetzt, mehr und präzisere Daten zu sammeln. "Je besser wir die Anfangsbedingungen kennen, desto genauer können wir auch den weiteren Verlauf des Wetters berechnen", sagt Hagedorn. Aktuelle Daten direkt aus den Anlagen müssen also in Echtzeit in die Prognoseberechnungen einfließen.