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Verhaltensforschung:Schimpansen suchen Abkühlung in Höhlen

Rehabilitating Chimpanzees - A Labour Of Love

Westlicher Schimpanse (Pan troglodytes verus).

(Foto: Dan Kitwood/Getty Images)

Um Hitzewellen zu überstehen, haben Schimpansen im Senegal eine ungewöhnliche Verhaltensweise entwickelt. Vor allem stillende Mütter werden zu Höhlenaffen.

Von Tina Baier

Normalerweise leben Schimpansen im Wald. Dort finden sie genug zu fressen und können ihre Schlafnester gut geschützt hoch oben in den Bäumen bauen. Doch es gibt Ausnahmen: In West- und Zentralafrika gibt es einige Populationen, die sich aus dem Wald herausgewagt haben. Eine davon lebt in der unwirtlichen Fongoli-Savanne im Senegal, in der die Temperaturen tagsüber auf mehr als 40 Grad Celsius steigen und Wasser rar ist.

Die Affen stehen wahrscheinlich vor ähnlichen Problemen wie die Vorfahren des Menschen, die vor Millionen Jahren ebenfalls den Wald verlassen und in der Savanne irgendwann den aufrechten Gang erfunden haben. Eine der größten Herausforderungen damals wie heute ist die Hitze. Zwei amerikanische Primatologinnen, die das Verhalten der Fongoli-Schimpansen schon länger erforschen, haben jetzt herausgefunden, dass vor allem stillende Mütter mit ihrem Nachwuchs oft Höhlen aufsuchen, um dort die heißesten Stunden des Tages zu verbringen.

Höhlen-Krabbelgruppe für stillende Mütter

Kelly Boyer Ontl von der Ball State University in Indiana installierte eine Kamera am Eingang einer großen Höhle, von der sie wusste, dass sich dort regelmäßig Schimpansen aufhielten. Nach der Auswertung von 14 053 Bildern, die die Kamera zwischen 2011 und 2013 aufgenommen hatte, war klar: In der Höhle befand sich eine Art Krabbelgruppe für stillende Mütter mit ihren Kleinkindern.

45 Mal hatten Schimpansen die Höhle im Untersuchungszeitraum betreten. 42 Mal waren es Gruppen von Müttern mit ihren Kindern. Die Mütter kamen im Durchschnitt zu viert, begleitet von ihrem Nachwuchs. Manchmal brachten sie als Brotzeit Baobab-Früchte mit. In der Höhle angekommen, ruhten sich die Mütter aus oder kraulten sich gegenseitig, während die Kinder miteinander spielten.

Ontl und ihre Kollegin Jill Pruetz von der Iowa State University vermuten, dass die Tiere die Höhle aufsuchen, um sich und ihre Kinder vor der Hitze zu schützen und nicht zu dehydrieren. Am häufigsten wurde der Unterschlupf nämlich in den beiden heißesten Monaten April und Mai frequentiert, und zwar vor allem während der Mittagsstunden. Wie beim Menschen haben stillende Mütter auch bei den Schimpansen einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, weil ein hoher Prozentsatz der Muttermilch aus Wasser besteht.

Die Schimpansen müssen ihr Verhalten ändern, um in der Savanne zu überleben. Ähnlich wie die Vorfahren des Menschen

Die Nutzung von Höhlen ist nicht das einzige Verhalten, das die Fongoli-Schimpansen von ihren im Wald lebenden Verwandten unterscheidet. Während die Affen im Wald fast nichts trinken, weil sie mit der Flüssigkeit auskommen, die in Früchten enthalten ist, müssen die Tiere in der Savanne regelmäßig Wasser zu sich nehmen. Aus diesem Grund lassen sie sich meist in der Nähe von Wasserstellen nieder - was nicht ungefährlich ist, weil sich dort auch viele Raubtiere aufhalten. Anders als ihre Verwandten, die nachts gemütlich in ihren Baumnestern schlafen, verlegen die Schimpansen in der Savanne die Nahrungssuche oft in die Nacht.

Es ist also offensichtlich, dass die Fongoli-Schimpansen mit den Bedingungen in der Savanne heftig zu kämpfen haben. Ihre Verhaltensänderungen im Vergleich zu im Wald lebenden Schimpansen lassen ahnen, wie schwierig der Übergang vom Wald in die Savanne auch für den Menschen gewesen sein muss.

© SZ

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