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Zoologie:Trompeter auf der Jagd

Es ist, als ob die Tiere der beiden Populationen eine gemeinsame Sprache, aber unterschiedliche Dialekte sprechen. Meeresbiologe Fabian Ritter vermutet, dass das gemeinsame Lied einer Buckelwal-Population, auch eine Art gemeinsame Identität schafft, und dass die Tiere anhand des Gesangs erkennen, ob ein Individuum zur eigenen Population gehört oder zu einer fremden. Von Pottwalen sind solche Dialekte schon länger bekannt, und unter Delfinen hat sogar jedes Tier einen eigenen Signaturpfiff, an dem sich die Tiere gegenseitig erkennen.

Wie und von wem junge Buckelwale das Lied ihrer Population lernen, ist noch nicht genau bekannt. "Klar ist aber, dass die Lieder von einer Generation an die nächste weitergegeben werden", sagt Ritter. Seiner Ansicht nach ist es deshalb nicht übertrieben, bei den Gesängen der Buckelwale von einer Art Kultur zu sprechen. Zumindest, wenn man sich darauf einlässt, als Kultur nicht nur typisch menschliche Errungenschaften wie Malerei, Literatur und Theater gelten zu lassen.

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Die Blauwale im Atlantik singen von Jahr zu Jahr tiefer und leiser. Weil es mehr Wale gibt oder weil sie etwas ausprobieren?

Fasst man den Begriff weiter, meint Kultur eine bestimmte Gewohnheit oder eine Fertigkeit, die Mitglieder einer Gruppe von Artgenossen unterscheidet, und die sie untereinander weitergeben. Und zwar nicht durch Vererbung, sondern durch sogenanntes soziales Lernen. Dabei macht der Schüler oft die Handlungen seines "Lehrers" möglichst genau nach. So betrachtet, können nicht nur Menschen eine Kultur entwickeln, sondern unter anderen auch Schimpansen, Orang-Utans, Rabenvögel, Elefanten und eben auch Wale. "In der Regel sind es Arten, die in komplexen sozialen Gefügen leben, in denen sich die Tiere gegenseitig als Individuen wahrnehmen, miteinander kommunizieren und kooperieren", sagt Ritter.

Tierische Kultur in diesem Sinne gibt es unter den Buckelwalen nicht nur bei den Gesängen. Auch in der Art und Weise, wie die Tiere jagen, finden sich regionale Unterschiede. Buckelwale in den Küstengewässern vor Alaska zum Beispiel fangen oft gemeinsam ganze Fischschwärme in einer Art Netz aus vielen kleinen Luftblasen.

"Dabei hat jedes Tier eine ganz bestimmte Aufgabe", sagt Ritter. Der "Trompeter" beispielsweise stößt einen charakteristischen Laut aus, kurz bevor ein anderes Tier dann das Blasennetz legt. Die Bedeutung dieses Tons ist noch nicht geklärt, aber Meeresbiologen haben beobachtet, dass Beutefische panisch aus ihrem Schwarm ausbrechen, wenn man ihnen diesen Ton vorspielt, auch wenn weit und breit kein Wal in Sicht ist. So, als wüssten die Fische, dass dieses Geräusch Gefahr bedeutet. Buckelwale in anderen Regionen der Welt kennen diese Art zu jagen dagegen nicht.

Genau wie kulturelle Errungenschaften beim Menschen muss auch tierische Kultur nicht starr sein, sondern kann sich im Lauf der Zeit weiterentwickeln. Ob die schon seit einiger Zeit beobachteten Veränderungen des Gesangs von Blauwalen ebenfalls ein Fall von kultureller Evolution sind, ist noch nicht bekannt. Die Gesänge der Blauwale sind viel schlichter als die der Buckelwale. "Oft geben sie über Stunden die immer gleichen Töne von sich", sagt Ritter. Allerdings singen Blauwale, die mit einer Länge von bis zu 33 Metern die größten lebenden Tiere sind, viel lauter. Ihre Stimme ist mehrere Hundert Kilometer weit zu hören. Wäre das nicht so, würde sie auch niemand hören, da Blauwale fast immer allein unterwegs sind, mit großem Abstand zu Artgenossen.

Schon seit einiger Zeit registrieren Wissenschaftler, dass die Tonhöhe, in der die Blauwale im Atlantik singen, kontinuierlich sinkt. Vor Kurzem haben Meeresforscher der University of Brest in Frankreich genau dasselbe Phänomen bei Blau- und Finnwalen im Indischen Ozean nachgewiesen. Die Tiere singen von Jahr zu Jahr tiefer. Das bedeute gleichzeitig, dass sie leiser singen, schreiben die Forscher um Emanuelle Leroy im Journal of Geophysical Research: Oceans.

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise müssen die Tiere nicht mehr so laut rufen, um gehört zu werden, da es aufgrund verschiedener Schutzmaßnahmen wieder mehr Blauwale gibt, sodass sich der Abstand der Tiere voneinander verringert hat, mutmaßen die französischen Forscher. Eine andere Theorie hat mit der Versauerung der Ozeane aufgrund der steigenden CO₂-Konzentrationen zu tun. Möglicherweise sind die Rufe in saurem Wasser weiter zu hören, sodass die Blauwale ihre Lautstärke reduzieren können.

Vielleicht haben die beobachteten Veränderungen aber auch gar nichts mit der Umwelt zu tun. In Anbetracht dessen, was man über die Gesänge der Buckelwale herausgefunden hat, ist durchaus vorstellbar, dass die Blauwale einfach mal ein neues Lied ausprobieren wollten. Oder dass ihnen ihre neue tiefe Stimme einfach besser gefällt.

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