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USA:Teurere Kredite, mehr Schulden

Dazu kommt, dass Afroamerikaner und US-Bürger lateinamerikanischer Herkunft auf dem Wohnungs-, dem Kredit- und dem Arbeitsmarkt bis heute diskriminiert werden. So mussten den Forschern zufolge Angehörige dieser Minderheiten im Zeitraum der Studie doppelt so oft teure Hypotheken aufnehmen wie Weiße mit entsprechendem Einkommen. Es war für sie teurer, an Kredite zu kommen und sie mussten mehr Schulden machen.

Aufgrund ihrer schlechteren Startvoraussetzungen konnten die Schwarzen auch wenig von den Steuersenkungen der US-Regierungen seit den achtziger Jahren profitieren. Denn niedrige Steuern auf Einkommen aus Kapitalanlagen wie Aktien sowie auf Erbschaften kommen denen zugute, die bereits auf ein Vermögen zurückgreifen können.

Um sich eine Ausbildung oder den Besuch einer Universität zu finanzieren oder Arbeitslosigkeit und krankheitsbedingte Ausfälle zu überbrücken, waren und sind Schwarze häufiger gezwungen, Schulden zu machen.

"Politik, die die Reichen bevorzugt"

Das extreme Auseinandergehen der Wohlstandsschere innerhalb einer so kurzen Zeit "spiegelt die Politik wider, die die Reichsten bevorzugt und den Wohlstand entsprechend umverteilt", kritisieren die Wissenschaftler.

Dabei werden mit den schwarzen Familien gerade auch jene getroffen, die sich ihrem Umfeld gegenüber besonders sozial verhalten. Bereits bei früheren Untersuchungen hatten die Forscher festgestellt, dass wohlhabende afroamerikanische Familien häufiger auch entfernte Verwandte finanziell unterstützen, was der Vermögensbildung natürlich abträglich ist.

"Chancengleichheit bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben sollten, mit Erfolg in ihrem Job zu arbeiten und ihr Vermögen und ihren Besitz zu mehren." Mit anderen Worten: Leistung sollte sich lohnen. In den USA aber, kritisieren die Wissenschaftler von der Brandeis University, tut sie das für die Schwarzen nicht.

Deshalb, so fordert Shapiros Kollegin Laura Sullivan, bräuchte man ein Steuersystem mit mehr Transparenz, mehr Regulierung und leichterem Zugang zum Wohnungs- und Kreditmarkt. Shapiro und sein Team hoffen nun, dass ihre Daten auch bei der Diskussion über eine Verbraucherschutzbehörde bei Finanzdienstleistungen berücksichtigt werden, die derzeit im Kongress diskutiert wird.

"Wir brauchen eine Hundertachtzig-Grad-Wende", schreiben die Forscher. "Die Politik war und ist mitverantwortlich für die Wohlstandsschere zwischen den Ethnien, und sie muss nun eine wichtige Rolle übernehmen, um sie zu schließen."

Barack Obama ist nicht nur der erste schwarze Präsident der USA, er ist auch für den "Wandel" angetreten. Er bringt also einige gute Voraussetzungen mit, um die Ungerechtigkeit den Afroamerikanern und anderer Ethnien gegenüber zu beenden. Ob er sich gegen den zu erwartenden Widerstand insbesondere vieler wohlhabender Weißer in der Regierung wird durchsetzen können, ist allerdings fraglich.

© sueddeutsche.de/mati
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