Toiletten Sonne statt Wasserspülung

Die Klos sollen weder Wasser noch Strom brauchen, billig sein und dennoch Hygiene garantieren. Forscher entwickeln Solartoiletten für Entwicklungsländer.

Von Andrea Hoferichter

An der Rückwand der blendend weißen Klokabine ragt ein Stahlmast mit acht parabolisch geformten Spiegeln in den Himmel. Forscher der University of Colorado haben die futuristisch wirkende Toilette für Entwicklungsländer konstruiert, wo es oft viel Sonne gibt, dafür aber kaum Wasser. Die Spiegel fokussieren das Sonnenlicht auf eine daumennagelkleine Fläche. Von dort transportieren Glasfaserkabel das Solarkonzentrat in einen schwarz gestrichenen Fäkalienbehälter.

"Hier wird das Licht in Wärme verwandelt und erhitzt die Exkremente auf mehr als 300 Grad Celsius", sagt Projektleiter Karl Linden. Dabei werden krank machende Keime schnell vernichtet. Der in den Verdauungsresten enthaltene Kohlenstoff wird als Biokohle zurückgewonnen, die als wertvoller Bodenzusatz gilt und als Kohlenstoffspeicher sogar beim Klimaschutz helfen soll.

Die Entwicklung der Sonnentoilette wurde von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung gefördert, die mit ihrer Initiative "Reinvent the toilet" schon seit 2011 Weiterentwicklungen des sanitären Klassikers für den Einsatz in Entwicklungsländern unterstützt.

Die innovativen Klos sollen weder Wasser noch Strom brauchen und nur wenige Cent pro Benutzer und Tag kosten. Erst kürzlich präsentierten mehrere Universitäten aus der ganzen Welt ihre Konzepte im indischen Delhi. Darunter waren Toiletten, die Fäkalien und Urin in Dünger und Wasserstoff für eine stromerzeugende Brennstoffzelle oder in Biogas verwandeln.

Die meisten Systeme müssen allerdings noch billiger werden. Linden etwa berichtet, sein Team wolle einen Teil der effektiven, aber recht teuren Glasfaserkabel reduzieren und stattdessen mit wärmespeichernden Flüssigkeiten arbeiten.

"Innovationen im Sanitärsektor werden dringend benötigt", sagt Robert Gensch vom Verein German Toilet Organization in Berlin. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge haben fast zweieinhalb Milliarden Menschen praktisch keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, erleichtern sich in der Regel im Freien und setzen dabei Unmengen an Keimen frei. Ein Tabuthema mit fatalen Folgen: An Durchfallerkrankungen sterben jedes Jahr rund zwei Millionen Menschen, mehrheitlich Kinder unter fünf Jahren.

Wie gut die Erfolgschancen der Hightech-Toiletten sind, wagt Gensch nicht vorherzusagen. "Vermutlich sind solche Lösungen vor allem etwas für den öffentlichen Bereich, wo unter anderem Betrieb und Wartung besser geregelt werden können", schätzt er.

Für den privaten Einsatz dagegen würde er eher auf robustere Modelle wie Grubentoiletten setzen. Diese bieten zwar keinen ökologischen Zusatznutzen und halten krank machende Keime nur unter Verschluss, statt sie zu vernichten. Doch sie haben einen entscheidenden Vorteil: "Einfach ein Loch in die Erde graben, eine Platte darauf legen und ein Häuschen drumherum zimmern", sagt Gensch. "Das kann jeder selber bauen."