bedeckt München 26°

Suche nach außerirdischem Leben:"Die Erde hatte sehr viel Glück"

First Earth-sized planet confirmed in habitable zone: NASA

Der Exoplanet Kepler 186f umkreist seinen Stern in einer "habitablen", also lebensfreundlichen Zone - dass dort Leben existiert, ist damit aber noch nicht klar. (Illustration: Nasa)

(Foto: Nasa/Reuters)

Ein Milliardär gibt 100 Millionen Dollar für die Suche nach E.T. aus. Astrophysiker Tilman Spohn über die Gefahren eines Funkkontakts - und die Chancen, eine zweite Erde zu finden.

Interview: Christoph Behrens

Seit mehr als 50 Jahren suchen Astrophysiker im Rahmen des Programms "Suche nach extraterrestrischer Intelligenz", kurz Seti, nach Funksignalen Außerirdischer. Der russische Milliardär Jurij Milner hat nun angekündigt, die Initiative mit 100 Millionen Dollar zu unterstützen. Tilman Spohn, oberster Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, über die Frage, wie sich (intelligentes) Leben im All entdecken lässt.

SZ: Herr Spohn, erhöhen 100 Millionen Dollar die Wahrscheinlichkeit, intelligente Wesen im Weltraum zu finden?

Spohn: Die Grundidee ist, dass da draußen ein Planet ist, auf dem eine Zivilisation lebt, die Radiowellen nutzt und aussendet. So starke Signale, dass sie uns erreichen. Das Problem ist, dass die Intensität solcher Wellen exponentiell kleiner wird, je länger sie unterwegs sind. Man braucht deshalb zunehmend empfindlichere Antennen. Dazu wollen die Seti-Wissenschaftler jetzt spezielle, hochempfindliche Antennen in West Virginia und Australien reaktivieren. Ziel ist es, bis zu 100 Millionen Sternensysteme in der Milchstraße abzusuchen. Man kann nur wünschen, dass sie Erfolg haben.

Seti horcht seit mehr als 50 Jahren das All ab, ohne Erfolg. Ist das die richtige Taktik?

Was sonst? Ich wüsste nicht, was man alternativ tun könnte, um intelligente Wesen zu finden, außer nach elektromagnetischen Wellen zu suchen. Wenn man ein ungewöhnliches Signal sehen würde, bestünde zumindest die Chance, dass es von jemandem kommt, der weiß, wie man Radiowellen sendet.

Wäre es nicht einfacher, zunächst primitive Lebensformen zu suchen, statt gleich E.T.?

Diese Strategie verfolgen die meisten Astrobiologen: Sie möchten zunächst wissen, ob es Leben außerhalb der Erde gibt. Ich kann aber nicht davon ausgehen, dass Mikroben Radiowellen modulieren. Mit der einen Technik sucht man also nach intelligenten Wesen tief im All. Die Methode, um primitive Lebensformen zu finden, ist in der Distanz beschränkter.

Nach was hält man dabei Ausschau?

Man sucht nach Planeten in einer habitablen, also lebensfreundlichen Zone. Der Abstand zum Zentralstern sollte stimmen, und die Temperatur auf der Planetenoberfläche sollte nicht zu niedrig oder zu hoch sein, sodass flüssiges Wasser vorhanden ist. Aber das heißt noch nicht, dass auch Leben entstanden ist. Leben auf der Erde ist ja nicht dafür bekannt, Wasser zu erzeugen, sondern Sauerstoff. Erst dieser Prozess - Fotosynthese - wäre ein Anzeichen von Leben.

Vielleicht basieren fremde Lebensformen gar nicht auf uns bekannten Molekülen.

Das ist denkbar, es rührt an der Frage, was Leben eigentlich ist. Stoffwechsel, Reproduktion - diese beiden Dinge gehören sicher dazu. Aber Computerprogramme können sich auch selbst vervielfältigen - ist das Leben? Es zeigt die Schwäche dieser Kriterien. Es gibt noch keine eindeutige, allgemein akzeptierte Festlegung, was Leben ist, und daher auch kein allgemeines Rezept, um es zu suchen. Man behilft sich mit "Leben, das wir von der Erde kennen".

Die Suche nach außerirdischem Leben ist also vom irdischen Erleben geprägt?

Zu weiche Kriterien von Leben sind nicht hilfreich. In der Not sucht der Wissenschaftler Variationen zu dem, was er von der Erde kennt, ersetzt vielleicht Wasser mit anderen Flüssigkeiten. Diese Gedankenspiele gibt es für den Mars: Wenn man Wasserstoffperoxid statt Wasser voraussetzt, dann wäre Leben dort von den Temperaturen her leichter vorstellbar. Natürlich kann man auch überlegen, dass Leben auch ganz anders sein könnte, aber dann hat der Wissenschaftler Probleme, das zu beweisen, da hängt er in der Luft.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB