bedeckt München
vgwortpixel

Strompreis und Netzentgelt:Wächter über die Wende

Sorgen machen sich die Firmen auch, weil Netzstabilität und Stromqualität nach dem Abschalten von acht Kernkraftwerken im März beeinträchtigt seien. Es häufen sich angeblich Schwankungen im Netz oder Stromausfälle im Millisekundenbereich. Während dies für Haushaltsgeräte kein Problem sei, führe es bei komplexen Industrieanlagen zu Störungen und teuren oder sogar existenzbedrohenden Ausfällen, beklagt der VIK. Abhilfe könnten laut Verband mehr Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung schaffen. Daher mache es keinen Sinn, diese klimafreundliche Energieerzeugung mit der Ökostrom-Umlage zu belasten, wie es für das kommende Jahr für viele Unternehmen vorgesehenist.

Zufrieden ist der Verband der energieintensiven Unternehmen mit einer anderen Tatsache: Die Zahl der Betriebe, die im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wegen hohen Strombedarfs Ausgleichszahlungen erhalten, wachse von derzeit einigen hundert auf über 100.000.

Um Industriebetriebe im Land zu halten, sind Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als zehn Millionen Kilowattstunden pro Jahr in der neuen Stromnetzentgeltverordnung von Netzentgelten ganz befreit worden. Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, kritisiert, "dass ausgerechnet die Firmen, die die Netze am intensivsten nutzen, dafür nun nichts mehr zahlen müssen". Peters schätzt die Mehrbelastung für die anderen Stromverbraucher, die diesen Ausfall kompensieren müssten, auf jährlich bis zu eine Milliarde Euro. Die Grünen rechnen mit Mehrkosten von jährlich bis zu 50 Euro pro Haushalt nur durch die steigenden Netzentgelte. Auch ein Sprecher der Bundesnetzagentur bestätigt, dass die Regelung Verbraucherkosten treiben kann.

Die Bundesregierung hat inzwischen eine Art Wächter über die Energiewende eingesetzt. Ein vierköpfiges Gremium soll kontrollieren, ob der Netzausbau planmäßig verläuft und welche neuen Kraftwerke notwendig sind. Vor allem aber sollen sie Alarm schlagen, wenn die Kosten für die Stromverbraucher aus dem Ruder laufen könnten.

Das vierköpfige Kontrollgremium unter Vorsitz des Volkswirts Andreas Löschel vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung dürfte viel zu tun haben, wie die aktuelle Debatte um die Netzentgelte belegt. Bis zu 4450 Kilometer neue Stromautobahnen und tausende Kilometer neue Verteilnetze in Städten und Kommunen sind nötig, um den überall neu erzeugten Strom etwa aus Wind- und Solarparks zu den Verbrauchern zu bringen.

Sie wollen Strompreise vergleichen? Hier geht es zum sueddeutsche.de-Stromrechner.

© dpa/Reuters/mcs/jab
Zur SZ-Startseite