Serie: Mythen von Monstern (Teil 6) Ogopogo und der Champ

Und die Augenzeugen? Ihnen zufolge sind die Monster mal drei, mal dreizehn Meter lang. Die Haut der Tiere ist braungrün oder braunschwarz oder irgendwie anders dunkel gefärbt. Sie tragen Schuppen oder auch nicht. Ihr Rücken ist glatt, manchmal aber finden sich Zacken. Sie besitzen einen Schlangenkopf oder einen Schafskopf, einen Pferdekopf oder den eines Krokodils. Mal trägt das Tier eine Mähne, mal nicht. Manchmal sind Ohren oder Hörner zu sehen, aber nicht immer. Und manchmal beschreiben die Zeugen ein Tier, das sie an einen Baumstamm erinnerte, der sich aber zu bewegen schien.

Die Filmaufnahmen zeigen meist nicht identifizierbare Strukturen unklarer Größe, die dicht unter der Wasseroberfläche schwimmen und hin und wieder den Kopf über das Wasser zu strecken scheinen. Eine der berühmtesten Aufnahmen von Ogopogo ist die von Ken Chaplin aus dem Jahre 1989. Was auf dem Video jedoch wie eine Flosse des Monsters aussieht, ist mit großer Sicherheit lediglich der Schwanz eines Bibers, den das verspielte Tier aus dem Wasser hebt. Andere Filme gelten inzwischen als Fälschung.

Viele Sichtungen gehen vermutlich auf große Fische zurück. Neben den Knochenhechten etwa ist denkbar, dass auch der eine oder andere Stör in den Seen lebt. Diese Fische können mehr als fünf Meter lang und mehr als eine Tonne schwer werden. Und mit ihren gezackten Rücken- und Seitenlinien sehen sie seltsam genug aus, wenn sie aus der Tiefe auftauchen.

Ein unheimlicher Baumstamm

Betrachtet man das berühmte Mansi-Bild ganz genau, so sind die Strukturen des Objektes über aber auch unter Wasser weder einem Plesiosaurier noch sonst irgend einem Tier zuzuordnen. Es handelt sich mit ganz großer Wahrscheinlichkeit um nichts anderes als einen vermodernden Baumstamm, der an die Oberfläche gestiegen und dann wieder versunken war.

Das einzige bislang wirklich mysteriöse Dokument sind Tonaufnahmen des Fauna Communications Research Institute aus North Carolina, die für den Discovery Channel 2003 ihre Geräte in den Lake Champlain gehalten hatten. Dreimal nahmen sie etwas auf, das sie an die Töne von Belugas oder Orcas erinnerte. Was da wirklich zu hören ist, ist bis heute unklar.

Solange also kein einziger wirklich brauchbarer Video- oder Fotobeweis vorliegt, kein Kadaver an Land gespült und kein einziger Knochen eines erst kürzlich gestorbenen Urzeittieres gefunden wurde, bleibt nichts anderes übrig, als an die nordamerikanischen Seemonster zu glauben. Schon der Tourismusindustrie zuliebe. Welche Chance hätten die Souvenirläden dort sonst, weiterhin Ogopogo-Plüschsaurier in Dosen zu verkaufen?