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Paläontologie:Im Rudel der Verwandtschaften

DNA von ´Game of Thrones"-Wolf birgt Überraschung

Ein Rudel Schattenwölfe frisst ihre Bisonbeute während sich zwei Grauwölfe nähern.

(Foto: Mauricio Antón/Nature/dpa)

Obwohl sie wie überdimensionierte Grauwölfe aussahen, waren die vor 10 000 Jahren ausgestorbenen Schattenwölfe genetisch ganz anders ausgestattet.

Von Tina Baier

In der Fernsehserie "Game of Thrones" sind Schattenwölfe so groß wie Ponys, und es kommt schon mal vor, dass sie einem Menschen den Arm aus der Schulter reißen. Wer es aber schafft, eines der Tiere zu zähmen, hat einen treuen Freund, der seinen Herren mit dem Leben verteidigt.

Vorbild für die Schattenwölfe war Canis dirus, der vor vielen Jahrtausenden im Pleistozän im heutigen Nord- und Südamerika lebte. Äußerlich ähnelte das Tier, das auf Englisch "dire wolf" - "schrecklicher Wolf" genannt wird, einem Grauwolf (Canis lupus lupus), war aber deutlich größer.

Aufgrund der äußerlichen Ähnlichkeit gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass Canis dirus eng mit den auch damals schon lebenden Grauwölfen verwandt war. Ein internationales Team aus 49 Forschern schreibt jetzt im Wissenschaftsjournal Nature, dass das nicht der Fall ist. Canis dirus ist demnach eine eigene Art, die in Amerika entstanden ist, während sich die Grauwölfe davon unabhängig in Eurasien entwickelten und erst vor etwa 1,37 Millionen Jahren auch Amerika besiedelten.

Um die Verwandtschaftsbeziehungen zu klären, suchten die Wissenschaftler in fossilen Knochen von Canis dirus nach Überresten von Erbgut, die sie analysieren konnten. Skelette aus einer der größten Fundstellen, Rancho La Brea in Kalifornien, wo Überreste von mehr als 4000 Individuen gefunden wurden, waren eine Enttäuschung. Doch schließlich fanden sie brauchbare fossile DNA in den Knochen von fünf Direwölfen, die in Idaho, Ohio, Tennessee und Wyoming ausgegraben worden waren. Das Alter der Überreste war sehr unterschiedlich und variierte zwischen 13 000 und 50 000 Jahren.

Direwolf und Grauwolf sind sich mit Sicherheit begegnet - gekreuzt haben sie sich nicht

Dieses Erbgut verglichen die Forscher mit der DNA von acht Wildhundarten: dem Grauwolf, dem Koyoten, dem Afrikanischen Goldwolf, dem Äthiopischen Wolf, dem Afrikanischen Wildhund, dem Andenschakal und dem Graufuchs. Die Unterschiede waren immens, auch zum Grauwolf, dem der Direwolf im Knochenbau am ähnlichsten war. "Als wir mit der Studie anfingen, dachten wir, dass Canis dirus nur ein etwas groß geratener Grauwolf war", sagt Laurent Frantz, der seit September 2020 an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität die Paläogenomik von Haustieren erforscht. "Deshalb waren wir überrascht, wie extrem unterschiedlich ihr Erbgut ist."

Aufgrund dieser großen Unterschiede ist es so gut wie ausgeschlossen, dass sich Direwölfe und Grauwölfe gekreuzt haben, obwohl das unter Caniden sonst sehr häufig vorkommt, wenn sich ihre Lebensräume überschneiden. Dass die beiden Arten aufeinander getroffen sind, zeigt unter anderem die Fundstelle in Rancho La Brea, wo neben den Skeletten von Canis dirus auch Knochen von Grauwölfen gefunden wurden, die dort zur selben Zeit gelebt haben.

Bleibt die Frage, warum Canis dirus vor etwa 10 000 Jahren ausgestorben ist, während der Grauwolf bis heute überlebt hat. Vorstellbar wäre, dass die "Schattenwölfe" schlicht verhungert sind, weil sie auf die Jagd auf große Tiere, wie Mammuts und Amerikanische Mastodons spezialisiert waren, die damals ebenfalls verschwunden sind.

© SZ
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