Technik:Ihm schwebt ein Roboterhaus vor

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Matthias König sagt, er wisse daher nicht, was nach dem Staubsaugerroboter komme - es fehle im Haushalt noch an einer Killer-App. Gemeint ist eine Technik, die Menschen motiviert, sich auf deutlich mehr Automatisierung im Haushalt einzulassen. Bisher glaubte man, dass es hilft, Robotern ein menschlicheres Aussehen zu verleihen. Conor McGinn vom Trinity College Dublin etwa hat gezeigt, dass Menschen mit Maschinen besser zurechtkommen, wenn diese einen Kopf mit Augen haben, die einen anschauen.

Wohl aus diesem Grund arbeitet auch Amazon an einer Roboter-Version des intelligenten Lautsprechers Alexa namens Vesta, die ihren Besitzer anschauen kann. Doch ob solche Vorhaben gelingen, ist ungewiss - denn bislang war die soziale Robotik eine Geschichte der Pleiten. Der niedliche Hausroboter Kuri, der einem Gesellschaft leisten und fotografieren konnte, verkaufte sich schlecht - der Hersteller gab auf. Auch Jibo, ein Tischroboter mit beweglichem Kopf, der seinem Besitzer die Lieblingspizza bestellen konnte, war am Ende ein Flopp. Ähnlich erging es dem Unterhaltungs- und Überwachungsroboter Keecker, dem Wäscheroboter Laundroid und dem niedlichen Cozmo.

Langfristig will Bock aber allen Menschen den Alltag erleichtern

Ein selbstfahrendes Auto hat viele dieser Probleme nicht. Dem Nutzer leuchtet der Sinn unmittelbar ein - und das Auto braucht auch keinen zusätzlichen Roboter hinter dem Lenkrad. Ein Roboterauto ist selbst ein Roboter. Dieses Prinzip möchte der Architekt Thomas Bock von der TU München nun in den Alltag überführen. Statt Roboter ins Haus zu lassen, schwebt ihm ein Roboterhaus vor - also ein Haus, das selbst eine Maschine ist.

Bocks Labor ist ein Sammelsurium an Ideen, eine Halle mit intelligenten Möbeln, die später zentral von einem Computer gesteuert werden sollen. Die meisten seiner Vorhaben richten sich an ältere Menschen: Bodenleisten mit eingebauter Sensorik sollen Stürze erkennen, ein Bett fährt von allein hoch und schiebt einen Menschen in eine Gehhilfe. Ein Sessel soll den Puls messen und auch erfassen, wie depressiv der Bewohner ist. Bewertet wird der Gesundheitszustand von einer künstlichen Intelligenz.

Langfristig will Bock aber allen Menschen den Alltag erleichtern. Eine seiner Ideen ist ein intelligenter Schrank: Der Bewohner sagt, was er möchte, eine Tiefenkamera erkennt seine Position, und ein Schrankelement kommt per Förderband angefahren. Musik, beruhigendes Licht und angenehme Düfte sollen die Bewohner eines solchen Hauses gegebenenfalls in positive Stimmung versetzen.

Bock will nach und nach weitere solcher Konzepte umsetzen - und alles intelligent vernetzen. Die Möbel und Bewohner bilden dann eine Art Wohlfühl-Symbiose. In so ein System könnte dann zum Beispiel Moley integriert werden, die seit Langem angekündigte Küche eines Startups in London, in der ein Roboterarm über die Herdplatten schwebt und das Kochen übernimmt. Der Haken an Bocks Vision ist, dass für Putzen und Aufräumen weiterhin mobile Roboter benötigt werden.

Einig sind sich die Forscher, dass die Automatisierung des Haushalts nur dann voranschreiten wird, wenn sie neue, attraktiven Anwendungen anbieten kann. Denn Automatisierung ist nicht notwendigerweise ein Mehrwert an sich. Studien haben gezeigt, dass Tätigkeiten wie Kochen und Aufräumen sogar zur psychischen Gesundheit beitragen. Somit wäre die nächste Killer-Anwendung womöglich eher eine App, die es schafft, Menschen zur Hausarbeit zu motivieren statt sie zu übernehmen.

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