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Astronomie:Kinderstube der Sterne

Der Galaxiehaufen "Abell 1314" in 460 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Erde sendet großflächig Radiostrahlung aus (im Bild pink und rot dargestellt), die mit Teleskopen empfangen werden kann.

(Foto: Cyril Tasse / LOFAR)

Mithilfe eines gigantischen Radioteleskop-Netzwerks gibt es detaillierte Einblicke in die Frühzeit des Kosmos.

Ein Team von Astronomen hat mithilfe eines über ganz Europa verteilten Antennennetzes die bislang detailreichsten Bilder des Weltalls im Bereich langwelliger Radiostrahlung aufgenommen. In den Daten stießen die Wissenschaftler auf Zehntausende von Galaxien im jungen Kosmos, in denen neue Sterne entstehen.

"Die Strahlung dieser Galaxien hat viele Milliarden Jahre gebraucht, um die Erde zu erreichen", erklärt Projektleiter Philip Best von der University of Edinburgh. "Wir sehen diese Galaxien daher so, wie sie vor vielen Milliarden Jahren ausgesehen haben - zu einer Epoche, in der der größte Teil ihrer Sterne entstanden ist."

Damit liefern die "LOFAR Two Meter Sky Survey Deep Fields"-Beobachtungen den bislang besten Einblick in die Sternentstehung im frühen Kosmos. Die Bildung neuer Sterne findet in dichten Wolken aus Gas und Staub statt und bleibt daher oft vor den Blicken der Astronomen verborgen. Radiowellen können jedoch den Staub durchdringen und somit ein vollständigeres Bild der kosmischen Sternentstehung liefern als Beobachtungen im sichtbaren Licht.

LOFAR (Low Frequency Array) besteht aus über 70 000 kleinen, über die Niederlande, Deutschland, Schweden, Großbritannien und Frankreich verteilten Dipol-Antennen. Diese sind über ein schnelles Glasfasernetz miteinander sowie mit einer Zentrale in den Niederlanden verbunden und ergeben im Verbund ein gigantisches Radioteleskop mit einem Durchmesser von über 1300 Kilometern.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Radioteleskopen empfängt LOFAR besonders langwellige Strahlung im Meterwellen-Bereich. Neben den zahllosen Sternentstehungsregionen stießen die Wissenschaftler in den Daten auf viele weitere astrophysikalisch bedeutende Phänomene: Materiestrahlen - sogenannte Jets - von supermassereichen Schwarzen Löchern in den Zentren von Galaxien, kollidierende Galaxienhaufen und Sterne in der Milchstraße, die ungewöhnliche Radiowellen aussenden. Ein Beispiel dafür ist der rote Zwergstern CR Draconis: Bei ihm registrierte LOFAR wiederholte Radio-Ausbrüche - möglicherweise ein Hinweis auf eine magnetische Wechselwirkung des Sterns mit einem bislang unbekannten Planeten.

© SZ/dpa/cvei
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