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Projekt Icarus:Man könnte das System auch benutzen, um Menschen auszuspionieren

Entscheidend für die Forschung sind eigens entwickelte Mini-Sender, die den Tieren rucksackartig auf den Rücken geschnallt oder geklebt werden. Sie wiegen etwa fünf Gramm, sind zwei Kubikzentimeter groß, haben eine 15 Zentimeter lange Drahtantenne und eine Speicherleistung von 500 Megabyte. In Zukunft sollen die Geräte noch kleiner werden. Dann sollen sogar Schmetterlinge oder Heuschrecken Daten funken können.

Projekt Icarus startet

Eine Amsel mit aufgeschnalltem Icarus-Sender. Die technik soll bald noch kleiner werden.

(Foto: dpa)

Neben einer Solarzelle und einer Batterie enthalten sie sechs Sensoren, sagt Walter Naumann, Geschäftsführer der Firma I-GOS, die die sogenannten Basis-Tags mitentwickelt hat. Die Sender sollen etwa zwei bis drei Jahre funktionieren und übermitteln nicht nur die Position des Tiers, sondern auch seine Beschleunigung, die Ausrichtung zum Magnetfeld der Erde, die Umgebungstemperatur sowie Luftdruck und Feuchtigkeit. Sobald die ISS-Antenne in Reichweite ist, setzen die Sender ein kleines Datenpaket per Funk ab.

Wenn alles wie gehofft funktioniert, werden die Sensoren riesige Datenmengen produzieren, die gesichert via ISS zur Erde übertragen werden sollen. Nicht jeder wird die Signale einfach mitlesen und vielleicht missbrauchen können.

Dass auch die Medizin von dem Projekt profitieren kann, soll Wikelskis eigene Forschung zeigen. Der Biologe will in Afrika Flughunde mit Sendern ausstatten, die in riesigen Schwärmen über den Kontinent ziehen. Die Tiere übertragen zwar nach Meinung vieler Forscher nicht das Ebola-Virus, kommen aber mit dem Erreger in Kontakt und tragen Antikörper. Im Falle einer Ebola-Epidemie könnte man, so die Hoffnung, anhand der Wanderungsbewegungen der Fledertiere ermitteln, wo der jeweilige Erreger herstammt - und so die bislang unbekannten Ebola-Reservoire aufspüren.

Forscher weltweit interessieren sich für die Möglichkeiten, die Icarus bietet. "Wir haben Tausende Anfragen", sagt Müller. "Aber zunächst haben deutsche und russische Projekte Priorität." Welche Vorhaben letztlich zum Zug kommen, darüber soll ein international besetztes Ethik-Komitee entscheiden, das derzeit aufgebaut wird. Die Komission soll auch sicher stellen, dass Icarus-Sender nur an vertrauenswürdige Interessenten ausgegeben werden. Denn man könnte das System auch leicht benutzen, um Menschen auzuspionieren.

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