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Norwegen:Wanderer findet 1200 Jahre altes Wikingerschwert

Wikingerschwert

Einschneidiges Hiebschwert, 77 Zentimeter lang: Zufallsfund aus Haukeli in Norwegen.

(Foto: Bjarte Brask Eriksen, Hordaland County Council)

Eigentlich wollte der Mann, der auf einer alten Wikingerroute unterwegs war, sich nur kurz ausruhen. Doch dann fand er eine Klinge, die Archäologen begeistert.

Von Esther Widmann

Der Haukelivegen ist eine wichtige Verbindungsstraße über einen Gebirgszug in der südnorwegischen Region Telemark. Alles spricht dafür, dass auf dem gleichen Weg schon vor mehr als 1000 Jahren die Menschen zwischen dem Osten und Westen des Landes reisten. Vor ein paar Tagen wanderte auch Gøran Olsen aus Norwegen auf diesem uralten Weg. Auf der Hardanger-Hochebene ging er fischen, und weil er sich danach ausruhen wollte, setzte er sich hin. Und da sah er plötzlich ein Schwert zwischen den Felsen liegen.

"Dieses Schwert ist ein historischer Schatz", sagt Per Morten Ekerhovd. Er arbeitet als Archäologe bei der Bezirksverwaltung von Hordaland, die Olsen über seinen Fund informiert hatte. "Der Griff ist verschwunden, aber das Eisen ist sehr gut erhalten." Ein Wikingerschwert sei das, 77 Zentimeter lang, aus Eisen geschmiedet etwa 750 nach Christus.

Wikingerschwert

Außergewöhnlich gut erhalten: Das Wikingerschwert aus Haukeli in Norwegen. Rechts im Bild: Bezirksarchäologe Per Morten Ekerhovd.

(Foto: Bjarte Brask Eriksen, Hordaland County Council)

"Damit liegen wir kurz vor dem Beginn der Wikingerzeit, die durch den Überfall auf das Kloster Lindisfarne in Nordengland im Jahr 793 eingeläutet wurde", sagt Jörn Staecker, Professor für die Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen. "Es handelt sich um ein einschneidiges Hiebschwert, eine sogenannte 'Sax'." Diese Art von Schwert sei typisch für Norwegens 'Vestland', also die Regionen Hordaland, Rogland, Sogn und Fjordane. Erst ab etwa 800 sei in Vestland das doppelschneidige Schwert, die 'Spatha', üblich geworden, erklärt Staecker. Auch die Spatha war jedoch vor allem zum Hauen konzipiert, nicht zum Stechen.

Wie das Schwert hierher kam, lässt sich erst im kommenden Sommer untersuchen

Nicht jeder konnte sich eine Sax leisten. "Das war eine kostbare Waffe", sagt Ekerhovd. "Der Besitzer muss ein wohlhabender Mann gewesen sein." Das Schwert werde jetzt dokumentiert und an das Museum der Universität Bergen geschickt.

Im Moment ist noch unklar, warum das Schwert an dieser Stelle lag - und warum es jetzt erst entdeckt wurde. Denkbar ist laut Ekerhovd, dass die Waffe einem Toten mit ins Grab gegeben wurde. Allerdings sind bisher keine Siedlungen in der Gegend bekannt. Nur für sporadische Aufenthalte kamen immer wieder Menschen hierher: "Wir haben schon viele Spuren von Fallenstellern, Jägern und Fischern gefunden", sagt Ekerhovd.

Eine andere Möglichkeit: "Ein Reisender könnte genau hier dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen sein", spekuliert der Archäologe. Klarheit über diese Frage wird es erst im kommenden Jahr geben. "Wir werden die Stelle gründlich untersuchen", kündigt Ekerhovd an. "Im nächsten Sommer, wenn der Schnee weg ist."

© SZ.de/chrb/rus

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