bedeckt München 22°

Natur - Greifswald:Katastrophenjahr für Schmetterlinge

Deutschland
Ein Kohlweißling sitzt auf einem Grashalm. Foto: Birgit Sander/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Greifswald (dpa/mv) - Für Schmetterlingskundler ist das Jahr 2020 in Mecklenburg-Vorpommern ein Katastrophenjahr. Bis auf Tagpfauenauge und Kohlweißling, Admiral und Kleinen Fuchs, wenige Distelfalter und Bläulinge seien kaum Tagfalter zu sehen, sagte der Greifswalder Schmetterlingskundler Volker Wachlin der Deutschen Presse-Agentur. Diese Schmetterlinge seien Ubiquisten, also Arten, die nur geringe Ansprüche an ihre Lebensräume stellten.

Wie die Insektenfauna insgesamt, nähmen auch Zahl und Artenreichtum der Schmetterlinge seit Jahren ab. "Die Masse an Schmetterlingen ist weg", sagte Wachlin. Gäbe es üppige Bestände, wäre ein witterungsmäßig ungünstiges Jahr wie dieses nicht groß ins Gewicht gefallen. "Der milde Winter war nicht gut", erläuterte er. Die Insektenwelt sei an kalte Winter angepasst. "Die Überwinterer richten sich darauf ein." Wenn der Winter zu warm ist, seien die Tiere zu früh aktiv. Den späten Frost wie diesmal und den trockenen Frühling überlebten viele nicht. Hinzu kam nach seinen Worten ein spärliches Blütenangebot.

Dem Wissenschaftler zufolge sind in Mecklenburg-Vorpommern 110 Arten von Tagfaltern nachgewiesen. 19 auf bestimmte Lebensräume spezialisierte Arten seien ausgestorben. Zehn davon seien Bewohner nährstoffarmer Offenlandschaften, sechs seien wärmeliebende Bewohner von Wäldern und drei Arten seien auf Moore und Feuchtgebiete spezialisiert. Weitere fünf Arten gelten Wachlin zufolge als verschollen.

Zu den Gründen für ihr Verschwinden gehört Wachlin zufolge die Zerstörung der Lebensräume durch Eutrophierung (Überdüngung). Die Stickstoffmenge, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Äcker gebracht wurde, komme mittlerweile überall hin. Mit den Schmetterlingen verschwindet nach seinen Worten eine wichtige Nahrungsbasis für Vögel und Fledermäuse. Zudem bestäuben Falter, vor allem Nachtfalter, viele Blüten. Im Garten sollte man natürlich vorkommende Kräuter wachsen lassen, besonders die Brennnessel: "Sie ist die Hauptnahrungspflanze der Falterarten, die noch da sind."

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite