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Müll in den Meeren:Karte des Unrats

22 Jahre lang haben Wissenschaftler Proben vom Müll im Nordatlantik und der Karibik genommen. Jetzt legen sie eine erschreckende Bilanz vor.

Katrin Blawat

Wie viel Müll schwimmt im Meer? Angeschwemmte Plastikteilchen, die sich an vielen Stränden etwa der amerikanischen Ostküste bereits selbstverständlich unter den Sand mischen, lassen vermuten, dass eine Menge Unrat im Nordatlantik und der Karibik treibt.

Plastik im Meer

Die Forscher haben insgesamt 64.000 solcher Kunststoffteilchen aus dem Meer gefischt.

(Foto: SEA/Skye Moret)

Nach 22 Jahren mühsamer Zählerei präsentiert ein Forscherteam um Kara Lavender Law von der Sea Education Associaton in Massachusets nun - nach eigenen Angaben erstmals - Zahlen (Science, online). Insgesamt 64.000 Kunststoffteilchen fischten die Forscher und ihre Helfer aus dem Meer.

Von 1986 bis 2008 waren jährlich Studenten mit Schiffen unterwegs, um an 6100 verschiedenen Orten Proben zu nehmen. Am stärksten mit Plastik verschmutzt ist demzufolge der Atlantik auf Höhe der Stadt Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, die saubersten Gebiete liegen vor der Küste Floridas und den Karibikinseln. Wo sich der Müll ansammelt, hängt vor allem von den Meeresströmungen ab.

Überraschenderweise nahm die jährlich gefundene Müllmenge mit der Zeit nicht zu - obwohl sich die weltweite Plastikproduktion im Untersuchungszeitraum verfünffacht hatte. Law und ihre Kollegen vermuten daher, dass die Teilchen sich mit der Zeit zersetzen oder durch Auseinanderbrechen so klein werden, dass sie von immer mehr Meeresbewohnern aufgenommen werden.

Denkbar sei auch, dass Organismen den Müll mit der Zeit besiedeln, der dadurch schwerer wird und schließlich auf den Grund sinkt, wo die Netzte der Forscher nicht hingelangten.

© SZ vom 20.08.2010/cosa
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