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Müll im Meer gefährdet Vögel:Zahnbürsten im Magen

Im Glauben, Fische zu verfüttern, stopfen Albatrosse ihrem Nachwuchs tödlichen Plastikmüll in den Schlund. Davon gibt es im Meer reichlich.

Ein Plastikteil nach dem anderen zieht die Wissenschaftlerin aus dem Magen des verendeten Albatros-Kükens, darunter ein rotes Einwegfeuerzeug und etwas, das aussieht wie der Griff eines Schraubenziehers. Am Ende des You-Tube-Beitrags liegen 306 Teile ausgebreitet vor ihr, das größte hat eine Länge von 15 Zentimetern.

Das Jungtier stammt aus einer Kolonie von Albatrossen, die zum Brüten auf das Kure-Atoll vor Hawaii kommen. Die Vögel suchen während der Aufzucht der Jungen gezielt nach Orten, an denen sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Futter sammeln können, und das wird den Küken zum Verhängnis.

Ihre Eltern scheinen den gigantischen Müllstrudel, der westlich des Kure-Atolls im Meer treibt, für eine Art Schlaraffenland zu halten. Die Albatrosse verwechseln Zahnbürsten, Folien und anderen Müll mit Fischen und stopfen ihre Jungen damit voll. Nach Angaben von Greenpeace verhungern und verdursten zwei von fünf Albatros-Küken auf den Atollen vor Hawaii qualvoll, weil ihr Magen mit unverdaulichem Plastik überfüllt ist.

Biologen von der University of Hawaii haben jetzt aber erkannt, dass Albatrosse aus verschiedenen Kolonien unterschiedlich viel Müll fressen (Plos one, online). Küken auf dem Kure-Atoll haben demnach zehnmal so viel Plastik im Magen wie der Nachwuchs der Kolonie auf der 2150 Kilometer entfernten Hauptinsel Oahu.

Die Forscher statteten erwachsene Vögel mit Ortungsgeräten aus, um herauszufinden, wo sie ihr Futter sammeln. Zudem untersuchten sie die unverdaulichen Überreste, die die Küken wieder herauswürgen. Die Auswertung der Ortungsdaten ergab, dass die Vögel der beiden Kolonien in ganz verschiedenen Gebieten des Nordpazifik nach Nahrung gesucht hatten. Die Kure-Albatrosse bedienten sich bevorzugt aus dem Abfall-Strudel, in dem sich vor allem Müll aus Asien sammelt. Das spiegelte sich im Mageninhalt ihres Nachwuchses wieder. Die Biologen fanden viele Teile mit asiatischer Schrift, darunter jede Menge Plastikspielzeug. Eines der Küken hatte sogar eine noch ungeöffnete Tube Gesichtscreme verschluckt.

© SZ vom 28.10.2009/beu
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