Menschlicher Gecko US-Militär arbeitet an Spiderman

Projekt Z-Man: Kletterpads für Soldaten

(Foto: Darpa / US Mil.)

Eliteeinheiten, die Häuser wie ein Spinnenmensch hochklettern: Davon träumt das US-Militär und lässt sich dabei von Geckos inspirieren. Die Klettertechnik liefert laut Pentagon erste Erfolge.

Geckos sind die Kletterkünstler der Natur: Die Haftkraft eines einzigen Zehs reicht aus, ihr gesamtes Gewicht an senkrechten Wänden zu halten. Mühelos kraxeln die Reptilien damit selbst glatte Oberflächen wie Glas empor.

Könnte man diese Technik nicht kopieren und etwa Soldaten damit ausstatten? Das US-Militär hat sich diese Frage gestellt und ist ihrer Lösung nun womöglich einen großen Schritt nähergekommen: Erstmals hat ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums mit künstlichen Geckofüßen eine acht Meter hohe Wand erklettert. In einem Durchlauf trug der 110-Kilogramm-Mann noch 25 Kilo Gepäck bei sich. Auch der Abstieg sei mit der "Geckskin" genannten Technik gelungen, meldet die Pentagon-Forschungsabteilung Darpa.

Traum von Kletterkommandos

Das Geheimnis der Gecko-Haftung liegt in Tausenden, nur 200 Nanometer dicken Härchen an den Füßen der Tiere. Die feinen Strukturen vergrößern die haftende Oberfläche exponentiell, und damit auch die Adhäsionskräfte an der Wand. Diese Nanostrukturen übertrugen die Darpa-Forscher auf ihren Prototyp - er sieht aus wie eine Art Paddel mit Schlaufen für die Hände. Damit pressen sich die Tester an die Fassade.

Aus Sicht von Militärs hätte eine solche "Spiderman-Ausrüstung" für Soldaten unschätzbare Vorteile. Besonders im Häuserkampf ist eine erhöhte Stellung im Kalkül der Strategen meist mit Überlegenheit verbunden. Seile und Leitern haben sich jedoch in Jahrhunderten kaum weiterentwickelt. Zudem müssen die Soldaten nacheinander klettern, der erste trägt das größte Risiko. Tragbare Kletterfüße wären ein Technologiesprung; Kommandoeinheiten könnten gemeinsam im Verbund große Höhen überwinden.

Jeder Quadratzentimeter der "Geckskin"-Haut kann ein Gewicht von über drei Kilogramm tragen

(Foto: Darpa / US Mil.)

"Der Gecko ist ein Meisterkletterer, deshalb war es nur naheliegend, dass die Darpa ihn zur Inspiration heranzieht", schrieb der Leiter des "Z-Man" getauften Forschungsprogramms, Matthew Goodman, in einer Mitteilung. Man müsse nur die biologischen und physikalischen Grundlagen der Gecko-Kletterei verstehen, und könne diese dann in ein künstliches System übertragen. Die Herausforderung bei diesem Transfer dürfte unter anderem die extreme Vergrößerung sein: Geckos wiegen wenige hundert Gramm, ein vollbepackter Soldat das 500-fache. Zudem verstehen Wissenschaftler bislang nur ungenau, wie die Geckos ihre Füße wieder lösen, ohne die Härchen auszureißen oder sich selbst zu verletzen. Sie tippen darauf, dass die spezielle Geometrie der Haftlamellen das Ablösen begünstigt.

Wie weit die Militärforscher mit der Enwicklung der Technik sind, ist schwer zu beurteilen. Die Kletterversuche, die sie jetzt publizierten, fanden bereits vor zwei Jahren statt. Seitdem habe es weitere Tests gegeben, schreibt die Darpa, auch könne man nun die Mikrostrukturen leichter fabrizieren.

Allerdings tun die Forscher gut daran, sich nicht nur auf die Natur zu verlassen, denn auch die unterliegt den Grenzen der Physik. Bekommen Geckos etwa nasse Füße, so verlieren sie drastisch an Halt - und stürzen im Extremfall ab.