Verhaltensbiologie Wenn Affen Drohnen begegnen

  • Grünmeerkatzen können lernen, sich vor neuen Gefahren zu warnen.
  • Allerdings benutzen sie dafür bereits bekannte Rufe.
  • Dies spricht dafür, dass diese Rufe im Unterschied zu menschlicher Sprache genetisch festgelegt sind und sich nicht verändern.
Von Tina Baier

Schimpansen basteln sich Sandalen und Sitzkissen aus Ästen, Lippfische knacken Seeigel auf einem Amboss und sehr viele Tiere können sich deutlich besser orientieren als Menschen. Die Liste erstaunlicher Fähigkeiten im Tierreich ist lang, doch eines macht den Menschen einzigartig: seine Fähigkeit zu sprechen.

Dabei gibt es durchaus Tiere, die über eine Art Sprache miteinander kommunizieren. Grünmeerkatzen im Süden Afrikas etwa warnen sich mit unterschiedlichen Rufen vor Leoparden, Schlangen oder Adlern und reagieren entsprechend. Bei "Leopard" klettern alle auf den nächstbesten Baum, bei "Schlange" stellen sie sich auf die Hinterbeine und erstarren und bei "Adler" suchen sie den Himmel ab und verstecken sich. Verhaltensbiologen um Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen haben jetzt aber gezeigt, dass diese Rufe im Unterschied zu menschlicher Sprache genetisch festgelegt sind und sich nicht verändern (Nature Ecology & Evolution).

Dazu haben sie Westliche Grünmeerkatzen im Senegal, die nahe mit den Südlichen Grünmeerkatzen verwandt sind, mit einer neuen potenziellen Gefahr konfrontiert: einer Drohne, die sie in 60 Metern Höhe über die Tiere hinwegfliegen ließen. Anders als ihre Verwandten im Süden hatten die Tiere bis zu diesem Zeitpunkt nur zwei Warnrufe: den für Leoparden und den für Schlangen.

Doch als die Forscher ihnen 20 Tage nach dem Drohnenüberflug erneut die Geräusche des Fluggeräts vorspielten, warnten sie sich gegenseitig mit dem Adlerruf, den auch ihre Verwandten benutzen, und gingen in Deckung. "Die Tiere haben sehr schnell gelernt, was das Drohnengeräusch bedeutet", sagt Julia Fischer.

Doch sie haben keinen neuen Warnruf für die für sie neue Bedrohung kreiert. "Das legt nahe, dass diese Art der Lautäußerung schon vor Millionen Jahren in der Evolution festgelegt wurde", sagt Fischer. Zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Grünmeerkatzen noch nicht in verschiedene Arten aufgespalten hatten.

Es ist ein bisschen wie bei dem Border Collie Rico, der die Wörter für mehr als 100 verschiedene Spielzeuge kannte und diese auf Kommando holte. Doch mit Lauten konnte er dieses Wissen nicht ausdrücken. Sein Bellen klang immer gleich. Am fehlenden Lernvermögen liegt es also nicht, wenn Tiere nicht sprechen können. Aber woran dann? "Eine Vermutung ist, dass es an der Struktur des Gehirns liegt", sagt Fischer. Affen beispielsweise fehlt eine Verbindung zwischen dem Cortex und den Muskeln des Kehlkopfes, die bei Menschen vorhanden ist.

Etwas mehr Gemeinsamkeiten mit der menschlichen Sprache als bei Affen und Hunden scheint es bei den Lautäußerungen von Singvögeln und Walen zu geben. Wie menschliche Sprache ist auch der Gesang vieler Vogelarten nicht angeboren. Junge Vögel müssen die genaue Tonfolge erst lernen, indem sie ältere Tiere nachahmen. Wenn sie keine Gelegenheit dazu bekommen, bleiben sie stumm. Von den Gesängen der Buckelwale ist bekannt, dass sie sich im Lauf der Zeit verändern, manchmal sogar von einem Jahr auf das andere - so wie menschliche Sprache auch.

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