Komet C/2022 E3:Zuletzt sahen ihn die Neandertaler

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Komet C/2022 E3 (ZFT

Der Komet C/2022 E3 (ZFT), aufgenommen von der Nasa am 6. Januar, soll ab Mitte Januar auch über Deutschlands Nachthimmel zu sehen sein.

(Foto: DAN BARTLETT/AFP)

Von Ende Januar bis Anfang Februar fliegt der Komet C/2022 E3 so nah an der Erde vorbei, dass man ihn mit bloßem Auge erkennen kann. Wann es besonders günstig ist, ihn zu sehen.

Von Michael Schnippert

Es ist ein besonderes Himmelsereignis, das die Menschen in den nächsten Wochen mit bloßen Augen sehen können. Der Komet C/2022 E3 soll am 1. Februar seinen erdnächsten Punkt erreichen. Als er zuletzt vor 50 000 Jahren in Erdnähe kam, lebten in Europa noch Neandertaler.

Wenn man weiß wo, können ihn Beobachter schon früher sehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Kometensichtung:

Wann ist der Komet am besten zu sehen?

Am 1. Februar hat Komet C/2022 E3 (ZTF) seinen kleinsten Abstand zu Erde erreicht. Er fliegt mit einem Abstand von rund 42 Millionen Kilometer vorbei. Das ist ein knappes Drittel der Entfernung von der Erde zur Sonne. Bereits ab Mitte Januar kann man den Kometen mit einem Fernglas oder Teleskop sichten. Er legt täglich an Helligkeit zu und soll ungefähr vom 24. Januar bis zum 6. Februar ohne Hilfsmittel zu sehen sein - vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Deswegen sollte man kurz den Wetterbericht prüfen, ob sich seine Sichtung lohnt.

Ebenfalls gut zu wissen: Am 21. Februar ist Neumond, der Himmel nachts somit dunkler.

Wo kann man den Kometen beobachten?

Wo der Komet gerade steht, hängt vom Beobachtungsstandort, vom Datum und der Uhrzeit ab. Bereits seit Anfang Januar ist der Schweifstern in München ab Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden vor Anbruch der Dämmerung am besten zu sehen. Er steht dort erst sehr hoch im Nordosten und später im Norden, anschließend erreicht er fast den Zenit senkrecht über Deutschland.

Berechnungen von ARDalpha zufolge fliegt der Komet zwischen Januar und Februar durch die Sternbilder "Drache", "Kleiner Wagen" ("Kleiner Bär") und "Giraffe". Zwischen dem 15. Januar und dem 6. Februar ist der Komet so nahe am Himmelsnordpol, dass er die ganze Nacht über hoch über dem Himmel steht.

Wer den Kometen als Laie nicht findet, sollte nicht enttäuscht sein. Sven Melchert, Vorsitzender der Sternfreunde, geht davon aus, dass den Kometen nur diejenigen gleich sehen werden, die Erfahrung in der Himmelsbeobachtung haben und dazu Hilfsmittel wie Fernrohr oder Fernglas.

Wie hell wird der Schweifstern werden?

Geschätzt wird, dass der Komet eine scheinbare Helligkeit von 5,4 mag erreichen soll. Das entspricht etwa der Sichtbarkeitsgrenze fürs bloße Auge. Einige Experten gehen laut ARDAlpha davon aus, dass er sogar mit 4,5 mag leuchten könnte.

In einem Fernglas erscheint der Komet als matschiger Fleck, grünlich schimmernd.

Wieso heißt der Komet C/2022 E3 (ZTF)?

Der Himmelskörper hat seinen Namen, weil er erstmals vergangenes Jahr von einem Programm namens "Zwicky Transient Facility" von einem Observatorium in den USA aus gesehen wurde.

Er ist nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) rund einen Kilometer groß, hat derzeit aber eine etwa 50 000 Kilometer messende Koma, eine Art Teilchenhülle. Diese entsteht, wenn sich der Komet der Sonne nähert und erwärmt, so dass sich Partikel aus seinem Eis lösen und in den Schweif wandern.

Was ist ein Komet?

Kometen kommen vom äußersten und kalten Rand des Sonnensystems und sind Himmelskörper, die bei der Planetenentstehung nicht verbraucht wurden. Sie bestehen dem DLR zufolge aus Staubkörnern, organischen Molekülen und wegen ihrer niedrigen Temperatur aus gefrorenen Gasen. Der hohe Anteil flüchtiger Materie unterscheide sie von Asteroiden.

Durch Gravitation oder Kollisionen werden sie manchmal aus ihrem ursprünglichen Orbit gestoßen und gelangen dann auch in Sonnen- oder Erdnähe. Zuletzt sind die Kometen C/2021 A1 Leonard und C/2020 F3 Neowise an der Erde vorbeigeflogen.

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