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Erderwärmung:Buenos Aires stellt kostenlose Leihfarräder bereit

Dazu haben die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister verschiedenste Initiativen gestartet. Wo sie Einfluss auf die Stromerzeugung haben, drängen sie Kohle aus dem Mix und stärken erneuerbare Quellen, etwa durch Förderprogramme für Solarzellen auf Dächern. Besondere Bedeutung haben auch die energetischen Eigenschaften der Häuser. Viele Städte haben sich verpflichtet, ab 2030 nur noch kohlenstoff-neutrale Gebäude bauen zu lassen. 2050 sollten dann alle Häuser diesem Standard entsprechen. Auch Kapstadt hat dieses Versprechen abgegeben. Die Stadt fange mit dem Umbau der eigenen Gebäude schon an, so Bürgermeisterin de Lille.

Buenos Aires verschenkt fünf Millionen LED-Lampen an die Bürger, sagt der Bürgermeister Horacio Rodríguez Laretta. In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, werden die Straßenlaternen auf diese energiesparende Technik umgestellt. Außerdem fördere die Stadt Dachgärten, so Bürgermeister Mohammed Sayeed Khokon.

Dubai will das Problem mit autonomen Autos und Bussen angehen

Ein weiterer Ansatzpunkt ist der Verkehr: ein gutes Dutzend Städte haben sich bereits verpflichtet, ab 2025 nur noch elektrische Busse zu kaufen, darunter als einzige deutsche Großstadt Heidelberg. Pünktlich zur Konferenz schlossen sich dem Aufruf weitere zwölf an, zum Beispiel Tokio, Medellin, Warschau und West Hollywood. In Sevilla, Kopenhagen oder Buenos Aires schafft die Verwaltung breite Fahrrad-Schnellwege, die argentinische Metropole hat zudem ein kostenfreies System von Leihfahrrädern etabliert. Accra in Ghana forciert den öffentlichen Busverkehr und richtet nach Auskunft seines Bürgermeisters mehr Fußgängerwege im Zentrum ein.

Klimawandel Forscher warnen vor "Heißzeit"
Klimawandel

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Die Erderwärmung könne sich leichter und schneller als gedacht selbst verstärken - und somit rascher unumkehrbar werden, heißt es in einer internationalen Studie.

Dubai möchte die Probleme von Verkehrsstaus und Luftverschmutzung mit autonomen Autos und Bussen mindern; das Emirat plant einen internationalen Wettbewerb für Entwickler, die ihre Ideen in der Stadt ausprobieren sollen. Mailand erhebt wie London eine Maut für Autos im Stadtzentrum, der "Area C": Sie soll nach Worten des Bürgermeisters Guiseppe Sala demnächst auf den Rest der Stadt ausgeweitet werden, außerdem arbeite seine Verwaltung an einem Dieselfahrverbot.

Solche Projekte stoßen oft auf Widerstand. "Maßnahmen, die Stadt grüner zu gestalten, bedeuten oft große Vorteile für die Bewohner der Innenstädte", sagt Raymond Johannsen, der Bürgermeister von Oslo, "aber die Menschen in den Außenbezirken sehen vor allem Nachteile. Deswegen muss man gleichzeitig den öffentlichen Verkehr ausbauen." Seine Kollegin aus Seattle, Jenny Durkan, bestätigt: "Wir müssen es für die Leute leichter machen, aus ihren Autos auszusteigen." Sie plant, alle Schüler der High Schools in ihrer Stadt mit einer Netzkarte auszustatten. "So gewöhnen sie sich daran, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, und bald ist es für sie normal, das zu tun."

In einigen Städten sind die Emissionen zurückgegangen, obwohl die Wirtschaft wächst

Elektroautos und Ladestationen zu fördern könnte hingegen die sozialen Unterschiede in Städten zementieren, fürchten viele Lokalpolitiker. Die Batteriemobile sind für Menschen, die wenig Einkommen haben, bisher schlicht zu teuer. Ihre Viertel werden daher weiter von Auspuffabgasen durchweht, während die wohlhabenden Gegenden zunehmend sauberer und leiser werden. Los Angeles siedelt darum Projekte mit elektrischen Carsharing-Autos und Ladestationen bevorzugt in ärmeren Stadtteilen an, erzählt Eric Garcetti, Bürgermeister der Metropole. Auch eine der Firmen, die auf dem Gipfeltreffen in San Francisco die Einrichtung von insgesamt 3,5 Millionen Ladestationen in den USA bis 2025 versprochen hat, will sich auf einkommensschwächere Gegenden konzentrieren.

Ob aber die angekündigten Maßnahmen auch die erwarteten Effekte bringen, und ob die Bürgermeister konsequent bleiben, das müsse man wohl abwarten, wieein Reporter der New York Times lakonisch bemerkte. Auch auf lokaler Ebene können sich Mehrheiten ja schnell ändern.

Unter den 9000 Städten mit Klimaschutzzielen ist der vermutlich exklusivste Club die Organisation C40, die mit mittlerweile 96 Mitgliedern die Zahl in ihrem Namen längst übertroffen hat. In San Francisco gab die Gruppe bekannt, dass 27 davon bereits im Jahr 2012 den Höhepunkt ihrer Emissionen überschritten haben - die Analyse ist nur im Rückblick über mehrere Jahre möglich. Darunter sind Metropolen wie London, Paris und New York, aber auch Warschau, Barcelona, Berlin und Heidelberg. Auch San Francisco gehört dazu, wie Bürgermeisterin Breed stolz feststellt. "Seit 1990 sind unsere Emissionen um 30 Prozent gesunken, aber die Wirtschaft ist um 111 Prozent gewachsen." Mit dem ewigen Scheinkonflikt von Wirtschaft und Umweltschutz müsse daher endlich Schluss sein.

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