Erderwärmung Wie Städte gegen den Klimawandel kämpfen

San Franciscos Bürgermeisterin sagt: "Seit 1990 sind unsere Emissionen um 30 Prozent gesunken, aber die Wirtschaft ist um 111 Prozent gewachsen."

(Foto: Ananth Pai / Unsplash)
  • Tausende Städte weltweit haben sich Klimaziele gesetzt, die über die nationalen Bemühungen zum Klimaschutz hinausgehen.
  • 27 von ihnen können bereits messbare Erfolge vorweisen.
  • Dennoch sind die Vorhaben nicht immer einfach umzusetzen.
Von Christopher Schrader

Wer im Jahr 2020 die Kathedrale von Quito besucht, ein weiß getünchtes Gotteshaus aus dem 16. Jahrhundert, der wird die Kirche vermutlich CO₂-frei erreichen: zu Fuß, per U-Bahn, mit dem elektrischem Bus oder einem batteriebetriebenen Taxi. Schon in zwei Jahren will die Hauptstadt von Ecuador in ihrem historischen Zentrum eine Zone einrichten, in der zumindest der öffentliche Verkehr keine Emissionen mehr erzeugt. Das hat ihr Bürgermeister Mauricio Rodas vergangene Woche auf dem "Global Climate Action Summit" in San Francisco versprochen.

Quito setzt damit ein Zeichen. Für Besucher von Westminster Abbey, Notre Dame, Sagrada Familia, Petersdom, St. Patrick's Cathedral, Gedächtniskirche oder Liebfrauendom werden dann noch keine derart strengen Regeln gelten. Immerhin: Paris, London und Rom haben versprochen, 2030 so weit zu sein. Rodas' Ankündigung ist eine von hunderten öffentlicher Zusagen, die Teilnehmer des Klimatreffens gemacht haben. Weltkonzerne gelobten, ihre Lieferketten so umzustrukturieren, dass für den Anbau von Palmöl kein Wald mehr gerodet wird.

Andere wollen Millionen von neuen Ladestationen für Elektroautos einrichten oder ihre Fahrzeug-Flotten komplett auf Batteriemobile umstellen. Anwaltskanzleien boten Startup-Unternehmen auf dem Gebiet der grünen Energie kostenlose Rechtsberatung an. Regionen wie der Bundesstaat New York, Wales und die Balearen schlossen sich einem Bündnis an, das den Kohleausstieg forciert. Stiftungen setzten insgesamt vier Milliarden Dollar für Klimaschutz-Projekte aus, davon 459 Millionen Dollar für die Erhaltung der Wälder.

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Wetterextreme machen den Bewohnern von Slums besonders zu schaffen

Doch es waren oft die Städte, die im Zentrum der Diskussionen standen. Dutzende Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von allen Kontinenten waren nach San Francisco gekommen. Insgesamt 9000 Städte haben sich eigene Ziele gesetzt, die über die jeweiligen nationalen Ambitionen zum Klimaschutz hinausgehen, und sich dazu dem "Global Covenant of Mayors" (Weltweiter Vertrag der Bürgermeister) angeschlossen. Sie tauschen Erfahrungen aus und fachen gegenseitig ihren Ehrgeiz an. Es geht um Gebäude, Verkehr, Müll, Industrie und Häfen. Altstädte von Verkehrsemissionen zu befreien, ist nur eine von vielen Ideen. Zwei Dutzend Städte wollen das bis zum Jahr 2030 schaffen. "Wir fangen in Quito einfach mal an", sagt Rodas. Doch einfach wird das für keinen der Orte.

Die Städte stehen in vorderster Front der Klimakrise. "Auch wenn das Pariser Abkommen von den nationalen Regierungen unterschrieben wurde", sagt Patricia de Lille, die Bürgermeisterin von Kapstadt, "erwarten doch die Leute von uns, dass wir sie vor dem Klimawandel schützen". London Breed, ihre Kollegin aus San Francisco, bestätigt: "Er bedroht besonders die verletzlichsten Gemeinschaften und die kritische Infrastruktur von Städten. Der Klimawandel ist zu wichtig, um nicht zu handeln." Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York City und Ko-Vorsitzender der Konferenz, fasst zusammen: "Die Städte sind, wo die Leute sind, wo die Probleme sind, wo die Lösungen sind."

Die Probleme fangen an beim Elend von Slumbewohnern in den Metropolen der Entwicklungsländer. "Sie haben keinen Zugang zu einfachsten Dienstleistungen wie Wasser- und Stromversorgung und müssen ständig mit der Sorge leben, vertrieben zu werden", sagt Sheela Patel, Leiterin der Organisation Slum Dwellers International. Zudem leiden Menschen in Hütten oft am stärksten unter den zunehmenden Wetterextremen. Erst langsam beginnen Städte, diese oft ungeliebten Bürger an Entscheidungen zu beteiligen, klagt Patel; eine Vereinbarung mit der Bürgermeisterin von Durban in Südafrika vor wenigen Tagen sei ein echter Fortschritt.

Wetterextreme bedrohen aber auch die Menschen in sehr reichen Ländern. "Wir hatten im August in Seattle eine Luftqualität, die schlechter war als in Peking", bekennt Jenny Durkan, die Bürgermeisterin der Stadt. "Nördlich der Grenze in der kanadischen Provinz Britisch Columbia und weiter östlich in unserem Bundesstaat Washington tobten viele Waldbrände." Luftverschmutzung sei ohnehin ein entscheidender Faktor, erklärt Christiana Figueres, ehemalige Leiterin des Klimasekretariats der Vereinten Nationen in Bonn und Ko-Vorsitzende der Konferenz. "In den Städten reduziert sich das komplizierte Problem des Klimawandels auf die Frage nach der Luftqualität. Heute sind weltweit neun von zehn Bewohnern belasteter Luft ausgesetzt. Wenn wir es geschafft haben, dass zehn von zehn saubere Luft atmen, haben wir den Klimawandel praktisch gestoppt."