Polen

13 Milliarden Euro - so viel hat Polen im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wegen der Klimaerwärmung verloren. Von 2011 bis 2030 könnten die Verluste bis zu 51 Milliarden Euro betragen. Dies geht aus dem Strategieplan des Umweltministeriums zur Anpassung an den Klimawandel hervor. Die Zahlen erfassen die Schäden durch Hitzewellen und Wolkenbrüche. Nach Auffassung von Umweltminister Maciej Grabowski betreffen diese Folgen der Erwärmung vor allem Städte mit mehr als 90 000 Einwohnern. Deshalb ließ er den auf die Städte zugeschnittenen Plan ausarbeiten.

Und das Ostseeufer? Minister Grabowski sagt dazu: "Ich habe keine Informationen darüber, dass es bedroht wäre."

Da ist Tomasz Łabuz von der Universität Stettin, der seit Jahren die Entwicklung an der Ostsee beobachtet, anderer Meinung. Er sagt: "An den meisten Abschnitten geht die Uferlinie zurück. Die Ostseegemeinden betreiben Raubwirtschaft." In den vergangenen hundert Jahren stiegt die Ostsee um 20 Zentimeter an. In Polen baut man weiter mehrstöckige Hotels und Apartmenthäuser direkt am Ufer und betoniert Strände zu, auch Naturstrände.

"Warum gestalten wir die Ufer entgegen den Naturgesetzen um?", fragt Paweł Średziński vom WWF Polen. "Wir versenken nicht nur Millionen im Meer, sondern schaffen auch gefährliche Präzedenzfälle. Es tauchen nämlich sofort Investoren auf, die jeden naturbelassenen Strand zubauen wollen." Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Polska im Auftrag des Umweltministeriums halten 86 Prozent der Polen den Klimawandel für ein ernstes Problem. "Es gibt schon gar keine Debatte mehr darüber, ob die globale Erwärmung wirklich stattfindet", meint aber Minister Grabowski. Wirklich?

Szymon Malinowski, Atmosphärenphysiker der Universität Warschau, schrieb kürzlich: "Es erfordert sehr starke Nerven anzuhören, wie bei Treffen im Parlament Wissenschaftler und Lobbyisten unseren Entscheidungsträgern ihr Wissen über das Klima darlegen. Am Ende solcher Treffen befindet sich der sachkundige Beobachter meist am Rande eines Nervenzusammenbruchs." Malinowski beklagt nicht nur den Wissensstand der Parlamentarier, sondern auch das Elend der polnischen Klimapolitik. Es gebe nur eine Handvoll Wissenschaftler, die seriös forschen und damit auch im Ausland Beachtung finden. "Das Parlament spiegelt sehr gut den Zustand unserer Gesellschaft wider", sagt er.

GAZETA WYBORCZA

Bild: Jörg Schubert / CC by 2.0 6. Dezember 2015, 16:142015-12-06 16:14:23 © SZ.de/dpa/AFP/chrb