Klimawandel Der Riesen-Eisberg verabschiedet sich von der Antarktis

Starke Föhnwinde haben Eisberg "A68" aus seiner Bucht herausgedreht

(Foto: A. Luckman / Swansea University / Esa)

Eisberg "A68", der sich vor einem Jahr von der Antarktis löste, macht sich nun endgültig auf den Weg ins offene Meer.

Von Christoph von Eichhorn

Glaziologen nennen es "kalben", wenn ein Eisberg abbricht, etwa von der Kante der Antarktis. Ganz so, als bekäme der Kontinent Nachwuchs. Einer der größten je beobachteten Eisberge, genannt "A68", löste sich vor 14 Monaten vom antarktischen Larsen-C-Schelfeis - das ist Eis, das über das Festland in den Ozean ragt.

Der Gigant ist 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit. Doch so richtig konnte sich A68 bislang nicht von seiner Heimat trennen. Ein Jahr lang driftete er in der von ihm selbst geschaffenen Bucht, blieb aber praktisch in Sichtweite des Mutter-Eisschilds.

Nun haben starke Föhnwinde den Eisberg doch aus der Bucht herausgedreht, der Weg ins offene Meer ist frei. "Es geht langsam los", sagte Thomas Rackow, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Es dauere nicht mehr lange, bis die Ozeanströmungen den Eisberg beschleunigten. "Dann ist er nicht mehr zu stoppen."

Die erste Reise von A68 wird zugleich seine letzte sein. Je weiter nach Norden er driftet, umso mehr wird er schmelzen. Der Seegang wird ihn wohl letztlich auseinanderbrechen lassen. Kalben ist zwar ein natürlicher Vorgang, Klimaforscher vermuten jedoch, dass die Erderwärmung solche Prozesse beschleunigt. Die Antarktis verliert heute jedes Jahr drei Mal so viel Eis wie noch Anfang des Jahrtausends.

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