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Klimawandel:In der Antarktis ist einer der größten je beobachteten Eisberge abgebrochen

A rift across the Larsen C Ice Shelf that had grown longer and deeper is seen during an airborne surveys of changes in polar ice over the Antarctic Peninsula

Der Riss im Larsen-C-Schelfeis auf einem Archivbild vom vergangenen November

(Foto: REUTERS)
  • Vom Schelfeis der Antarktischen Halbinsel ist ein riesiger Eisberg abgebrochen.
  • Der Vorgang ist ein natürlicher Prozess. Dennoch gehen Forscher davon aus, dass der Klimawandel die Entwicklung beschleunigt hat.
  • Langfristig könnte einigen Forschern zufolge der Meeresspiegel leicht steigen.

Am Rand der Antarktischen Halbinsel hat sich einer der größten je beobachteten Eisberge gelöst. Wissenschaftler des Forschungsprojekts "Midas" melden, dass der gewaltige Eisberg vom Larsen-C-Schelfeis vollständig abgebrochen ist. Damit verliert die Eisplatte auf einen Schlag mehr als ein Zehntel ihrer Fläche.

Der neu entstandene Eisberg - eigentlich eine Eis-Insel - misst etwa 5800 Quadratkilometer. Das entspricht zirka der sechsfachen Fläche der Insel Rügen. Mit dieser Ausdehnung ist er zwar kleiner als der 11 000 Quadratkilometer große Eisberg namens B-15, der sich im Jahr 2000 vom Ross-Schelfeis trennte und auch kleiner als ein Eisberg, der 1956 etwas weiter nördlich gesichtet worden sein soll. Trotzdem bleibt der Larsen-C-Abbruch ein ungewöhnliches Ereignis.

Der neue Eisberg dürfte vorerst mit der Meeresströmung rund um die Antarktis Richtung Osten driften. Sollte er intakt bleiben, kann es Jahre dauern, bis er ganz geschmolzen ist, weil er wie ein Eiswürfel in seinem eigenen, kühlen Schmelzwasser schwimmt. Schneller könnte er sich auflösen, wenn er in mehrere Teile zerbrechen oder an einer Inselgruppe stranden würde, wo immer neues, wärmeres Wasser um ihn herum strömt.

Für den Meeresspiegel hat der Abbruch keine unmittelbaren Konsequenzen. Schelfeis schwimmt ohnehin auf dem Meer, wenn es zerbricht oder schmilzt, ändert sich der Wasserstand nicht. Langfristig aber könnte das Ereignis nach Ansicht einiger Forscher den Anstieg des Meeresspiegels dennoch leicht beschleunigen. "Für uns ist das Spannende, was nach dem Abbruch mit dem Rest des Schelfeises passiert", sagt Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

"Es ist zumindest naheliegend, dass der Klimawandel etwas damit zu tun hat"

Schon vor Jahren hatte das Team um Jansen vorhergesagt, dass das Schelfeis nach der Kalbung instabil werden könnte. Dann stünde Larsen-C ein ähnliches Schicksal bevor wie den beiden nördlicheren Eisplatten Larsen-A und Larsen-B, die in den Jahren 1995 und 2002 spektakulär zerbröselten. Binnen weniger Wochen war damals jahrhunderte- bis jahrtausendealtes, Hunderte Meter dickes Eis zersplittert. Wenn es nun auch Larsen-C so ergehen sollte, würde eine Eisplatte wegfallen, die momentan wie ein Korken vor den Inlandsgletschern der Antarktischen Halbinsel sitzt.

Dadurch dürfte sich deren Abfluss ins Meer beschleunigen. Allerdings reicht das gesamte Eis auf der Halbinsel lediglich für einen Anstieg von zehn Zentimetern - extrem wenig im Vergleich zu den Eismassen auf dem Rest des Kontinents oder in Grönland. Sollte die ganze Antarktis eines Tages abschmelzen, würde das den Meeresspiegel um etwa 60 Meter ansteigen lassen.

Die Hintergründe für die Geschehnisse am Larsen-Schelf sind derzeit nicht ganz klar. Prinzipiell sind kalbende Eisberge normal, dies ist ein stetiger Prozess: Eisberge brechen am äußeren Rand der großen Platte ab, Schelfeis wächst von hinten nach. Ob aber das Larsen-C-Schelf jemals durch neues Eis ersetzt werden kann, falls es in der Folge zersplittert, ist fraglich. Für die Bildung großer neuer Eismassen ist es rund um die Halbinsel längst viel zu warm geworden. So führen Forscher den Zerfall von Larsen-A und Larsen-B auch auf den Klimawandel zurück; zahlreiche Schmelzwasser-Tümpel an der Oberfläche hatten die Entwicklung beschleunigt.

Gigantischer Riss im Eis der Antarktis

Ein gewaltiger Riss im sogenannten Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis trennt das Eis vom Festland.

(Foto: John Sonntag/Nasa/dpa)

"Diese Schmelzwasserbildung ist jetzt bei Larsen-C noch nicht so verbreitet", sagt Jansen; das unterscheidet den Fall von den früheren Ereignissen. Trotzdem: "Es ist zumindest naheliegend, dass der Klimawandel etwas mit den auf dem Larsen-Schelfeis beobachteten Prozessen zu tun hat, schon wegen der Wanderung des Zerfalls von Norden nach Süden." Schließlich hat sich die Antarktische Halbinsel an ihrem nördlichsten Zipfel bereits deutlich erwärmt; mit dem fortschreitenden Klimawandel wird es auch am Südpol immer wärmer.

Forscher von der Swansea University und der Aberystwyth University in Wales verfolgen im "Projekt Midas" die Vorgänge in der Antarktis mit Hilfe von Satelliten. Nachdem sich die Flussgeschwindigkeit des Eises seit Ende Juni nochmals deutlich erhöht hatte, war der bevorstehende Abbruch des Riesen-Eisbergs absehbar. Zuletzt hatte sich der seit Monaten verfolgte Riss im Eis in mehrere Zweige aufgespalten, so dass neben dem großen Eisberg noch mehrere kleinere entstehen dürften. Alle sechs Tage liefern die Esa-Satelliten Sentinel-1A und -1B derzeit Radar-Aufnahmen der Eisfläche; für optische Bilder reicht das Licht am Südpol frühestens Ende August wieder aus, auch Forschungsflüge sind im antarktischen Winter nicht möglich.

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