Klimawandel Arktisches Eis schmilzt und schmilzt und schmilzt

  • Das Meereis in der Arktis ist in diesem Sommer auf eine Fläche von etwa 4,7 Millionen Quadratkilometern abgeschmolzen.
  • Die aktuelle Eisfläche liegt ungefähr im Mittel der vergangenen Jahre - und damit deutlich unter den Werten aus der Zeit von 1979 bis 2006.
  • "Der langfristige abnehmende Trend ist eindeutig", sagt Lars Kaleschke vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit an der Universität Hamburg.
Von Marlene Weiß

Das Meereis in der Arktis ist in diesem Sommer auf eine Fläche von etwa 4,7 Millionen Quadratkilometern abgeschmolzen, berichten Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (Awi) und der Universitäten Bremen und Hamburg.

Das ist mehr als im Jahr 2012, als damals nur noch 3,4 Millionen Quadratkilometer übrig blieben. Die aktuelle Eisfläche liegt jedoch ungefähr im Mittel der vergangenen Jahre und damit deutlich unter den Werten aus der Periode von 1979 bis 2006. Diese lagen bei etwa 5,5 bis 7,5 Millionen Quadratkilometern. Der langjährige Abwärtstrend des Meereises in der Arktis bleibt auch mit der neuen Messung deutlich.

Das Meereis in der Arktis schwankt naturgemäß stark von Jahr zu Jahr, Abweichungen von rund einer Million Quadratkilometern sind durchaus üblich. Trotzdem ist aus den Daten klar erkennbar, wohin die Reise geht: nach unten. "Der langfristige abnehmende Trend ist eindeutig", sagt Lars Kaleschke vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit an der Universität Hamburg. Sein Kollege Marcel Nicolaus vom Awi wies darauf hin, dass die September-Meereisfläche in den vergangenen elf Jahren stets geringer war als in allen Jahren davor.

Der AWI-EM-Bird während eines Meereisdicken-Messfluges über arktischem Meereis.

(Foto: NADIR/Stefan Hendricks, Alfred-Wegener-Institut)

Zu einem neuen Negativ-Rekord kam es in diesem Sommer jedoch nicht, trotz des geradezu absurd warmen Winters. Immer wieder lagen die Temperaturen bis zu 20 Grad über dem Normalwert. Entsprechend hatte vor allem das Wintereis einen Negativrekord gesetzt, es lag bis in den April hinein um mehr als zwei sogenannte Standardabweichungen unterhalb des Normalwerts der vergangenen drei Jahrzehnte. Für Statistiker beschreibt das einen Ausreißer, der deutlich jenseits der üblichen natürlichen Schwankungen liegt.

Der Rückgang hat gravierende Folgen für Fische, Robben und Seevögel

Gemessen wird die Meereisfläche mit Hilfe von Satelliten, insbesondere mit Mikrowellen-Strahlung. Da Eis mehr und andere Mikrowellen-Strahlung aussendet als Wasser, lässt sich mit Hilfe solcher Daten erkennen, wo Eis das Meer bedeckt. Sogar zwischen ein- und mehrjährigem Eis kann man auf diese Weise unterscheiden. Eine noch bessere Auflösung bieten Radar-Satelliten, die aktiv Mikrowellenstrahlung aussenden und das reflektierte Signal auffangen.

Mit Hilfe von Laser-Scannern an Bord von Messflugzeugen haben die Forscher auch die Dicke des Meereises untersucht: Zwischen Grönland und Spitzbergen lag sie bei etwa 1,7 Metern, etwa 50 Zentimeter mehr als im Jahr zuvor. "Insgesamt stellen wir fest, dass das Meereis trotz des warmen Winters nicht außergewöhnlich dünn war", sagte Nicolaus. Allerdings liegen die Werte immer noch rund 30 Prozent unter denen der Jahre 2001 und 2004.

Nicht nur für Eisbären, sondern auch für Fische, Robben und Seevögel, die unter dem Eis jagen, hat der langfristige Rückgang des Meereises gravierende Folgen. In diesem Jahr war die Nordost-Passage entlang der russischen Küste von Europa nach Asien zeitweise ohne Eisbrecher-Unterstützung befahrbar.

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