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WMO-Klimabericht:Klimawandel und Pandemie treffen die Ärmsten doppelt

Forscher besorgt wegen Bränden und Temperaturrekorden in Sibirien

Waldbrand in Sibirien, Sommer 2020.

(Foto: Uncredited/dpa)

Das Jahr 2020 war nicht nur geprägt von der Corona-Krise, sondern auch von Hitzerekorden und Extremwetter. Trotz des Wirtschaftseinbruchs hat die Konzentration von Treibhausgasen einen neuen Höchststand erreicht.

Von Benjamin von Brackel

Das Jahr 2020 war eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Insgesamt hat sich die Welt um 1,2 Grad Celsius seit der Industrialisierung aufgeheizt. Das geht aus dem jährlichen Klimabericht der Weltwetterorganisation (WMO) hervor, der am Montag veröffentlicht wurde. Sowohl der CO₂-Gehalt in der Atmosphäre, als auch Meeresspiegel und Ozeantemperaturen erreichten demnach neue Rekordwerte. Das arktische Meereis war im Sommer auf die zweitgeringste je gemessene Fläche zusammengeschrumpft.

Bemerkenswert ist der Befund schon deshalb, weil das vergangene Jahr ab dem Herbst unter dem Einfluss des Wetterphänomens El Niño stand, das alle paar Jahre auftritt und einen kühlenden Effekt auf die Welt hat. Der Klimabericht zeige deshalb "den unerbittlichen, anhaltenden Klimawandel, das zunehmende Auftreten und die Verschärfung von Extremereignissen sowie schwere Verluste und Schäden für Menschen, Gesellschaften und Volkswirtschaften", sagt WMO-Chef Petteri Taalas.

Auch der pandemiebedingte Einbruch der Weltwirtschaft habe den Erwärmungstrend nicht aufgehalten. Zwar habe jener den weltweiten Treibhausgasausstoß leicht gedrosselt, das aber habe keinen Einfluss auf die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre gehabt, die mit 410 ppm (Teilchen pro Millionen) einen neuen Höchststand erreichte. "Der negative Klimatrend wird sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen, unabhängig von unserem Erfolg bei der Eindämmung", sagt Taalas.

Das Jahr 2020 war dem WMO-Bericht zufolge geprägt von Extremwetterereignissen: In der Sahelzone und am Horn von Afrika herrschten Starkregen und Überschwemmungen samt einer anschließenden Heuschreckenplage. Teile Südamerikas litten unter einer heftigen Dürre, die Getreideernten in Höhe von drei Milliarden US-Dollar vernichtet habe. Zudem erlebten viele Gebiete der Welt ungewöhnlich hohe Temperaturen: In der sibirischen Stadt Werchojansk waren am 20. Juni 38 Grad Celsius gemessen worden. Solch eine Hitzewelle wäre ohne den Klimawandel nahezu unmöglich gewesen, fanden europäische Klimaforscher vergangenes Jahr heraus.

Auch Jerusalem (42,7 Grad Celsius), Bagdad (51,8 Grad Celsius) und das Death Valley in Kalifornien (54,4 Grad Celsius) verzeichneten neue Höchstwerte. Im Südwesten der USA wurde ein so heißer und trockener Sommer wie nie zuvor registriert - gefolgt von Rekordbränden.

Mehr als 50 Millionen Menschen hätten aufgrund von klimabedingten Naturkatastrophen und der Corona-Krise doppelt gelitten, merken die Autoren an. So habe etwa einer der schwersten Zyklone im Südpazifik dafür gesorgt, dass knapp 100 000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten, während die Pandemie Hilfslieferungen und Evakuierungen erschwerte und verzögerte. Zudem mussten mehr Menschen hungern, weil Stürme und Dürren Ernten zerstörten, während die Pandemie Lieferketten und Welthandel unterbrochen hätten.

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