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Raumfahrt:Israel will zum Mond

Israel will erstmals Raumsonde auf den Mond schicken

Eine Falkon- 9-Rakte, wie in diesem Bild bei einem zurückliegenden Start, soll das Gerät am Freitag ins All befördern.

(Foto: dpa)
  • An Bord ist eine Kapsel mit hunderten digitalen Dateien, die unter anderem eine hebräische Bibel enthält. Deren Inhalt wurde auf einem Datenträger in Münzgröße gespeichert.
  • Außerdem sind Instrumente an Bord, die das Magnetfeld des Mondes exakt vermessen sollen.
  • Beresheet soll in der nördlichen Hemisphäre nahe dem Landeplatz der Missionen von Apollo 15 und 17 landen.

Nach acht Jahren Vorbereitungszeit soll in der Nacht zu Freitag der große Augenblick sein: Israel will um 4:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida eine Raumsonde zum Mond schicken, die dort laut Plan am 11. April eintreffen soll. Israels Präsident Reuven Rivlin hat einige Studenten zu einer Pyjama-Party eingeladen, um gemeinsam in seiner Residenz in Jerusalem das Ereignis zu verfolgen.

Befördert wird die unbemannte Sonde Beresheet von einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX. Das kleine Israel ist nach den Großmächten USA, Russland und China das vierte Land, das mit einem Raumschiff auf dem Mond landen wird. "Am Freitagmorgen werden wir Geschichte schreiben. Das wird neue Horizonte eröffnen für die kommerzielle Raumfahrt", sagt Ido Antebi, Geschäftsführer der israelischen Nonprofit-Organisation SpaceIL. Der Name des Raumschiffs kann mit den Worten "im Anfang" übersetzt werden, er geht zurück auf das Buch Genesis.

Astronomie

Näher kommt der Mond in diesem Jahr nicht mehr

Auch für SpaceIL-Präsident Morris Kahn ist es ein historischer Moment: "Wenn Israel auf dem Mond landet, wird jeder Jude sich daran erinnern, wo er in dem Moment war. Nichts ist unmöglich: Wir wagen es zu träumen, und diesen Traum in Wirklichkeit zu verwandeln." Kahn verwies darauf, dass es die erste kommerzielle Mond-Mission sei. "Es war sehr schwierig, das Geld aufzutreiben, denn die meisten haben gemeint, das sei eine unmögliche Mission."

Rund hundert Millionen US-Dollar wurden schließlich von Sponsoren - darunter Kahn selbst - eingesammelt, um das Projekt zu ermöglichen. Unterstützung kommt aber auch von der israelischen Raumfahrtbehörde (ISA) und dem staatlichen Unternehmen Israel Aerospace Industries (IAI). Die israelischen Initiatoren arbeiten auch mit der US-Weltraumbehörde NASA zusammen.

Gelingt die Mission, wäre es auch die bisher kostengünstigste Mond-Landung. Um Kosten und Gewicht zu sparen, wurde auf Backup-Solarpaneele oder ein zweites Kommunikationssystem verzichtet. Wenn eine dieser Komponenten ausfällt, ist damit das gesamte Projekt gescheitert.

Die vom Unternehmen Israel Aerospace Industries gebaute Sonde ähnelt einem eineinhalb Meter hohen Zementmischer, ist 585 Kilogramm schwer und kann vier Stützen ausfahren. Es wird die kleinste Sonde sein, die jemals Richtung Mond losgeschickt worden ist. An Bord ist eine Kapsel mit hunderten digitalen Dateien, die unter anderem eine hebräische Bibel enthält. Mit Hilfe von Nanotechnologie wurde der Inhalt auf einem Datenträger in Münzgröße gespeichert. Auch der Text der israelischen Unabhängigkeitserklärung und der Hymne, Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden sowie eine Notiz des verstorbenen Präsidenten Schimon Peres werden mit auf den Mond geschickt.

Israel will erstmals Raumsonde auf den Mond schicken

Ein Modell des israelischen Raumfahrzeugs Beresheet.

(Foto: dpa)

Mit der Mission sind auch wissenschaftliche Projekte verbunden. Es sind Instrumente an Bord, die das Magnetfeld auf dem Mond messen sollen. Die Daten werden zum Weizmann-Institut in Rechovot transferiert und dort analysiert. Die Wissenschaftler rund um Professor Oded Aharonson erwarten sich davon Erkenntnisse über das Magnetfeld: "Die große Frage ist: Wenn es kein globales Magnetfeld auf dem Mond gibt, wie und wann kam der Magnetismus auf den Mond? Darauf wollen wir eine Antwort finden", erklärt Aharonson.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Magnetfeld des Mondes untersucht wird. Aber es soll mit zuvor unerreichter Genauigkeit geschehen dank eines von Aharoson entwickelten Magnetometers. "Wir werden präzisere Daten haben, mehr über magnetische Anomalien wissen und all das in höherer Auflösung bekommen. Unser Ziel ist ein Profil des magnetischen Feldes auf dem Mond erstellen zu können und seinen Ursprung zu verstehen", sagt Aharonson.

An Bord ist auch eine Reihe von kleinen Spiegeln, die eine genaue Vermessung der Distanz zwischen Erde und Mond erlauben sollen. Wenn das Projekt funktioniert, dann will die Nasa diese Methode auch für Distanzmessungen zwischen anderen Planeten einsetzen.

Laut SpaceIL-Geschäftsführer Ido Anteby gibt es fünf große Herausforderungen für diese Mond-Mission:

  • der Start
  • die Kommunikation
  • die 6,5 Millionen Kilometer lange Reise selbst
  • das Anvisieren des Mondes
  • und schließlich die Landung

Nach sechs oder sieben Erdumkreisungen soll die Sonde am 4. April in die Umlaufbahn des Mondes gelangen. Beresheet soll in der nördlichen Hemisphäre nahe dem Landeplatz der Missionen von Apollo 15 und 17 landen.

Ein wichtiges Ziel der Mission sei es, einen Prototyp für künftige kommerzielle Mondlandungen zu schaffen. SpaceIL, das 2011 nach einem von Google ausgerufenen Wettbewerb als unabhängige Initiative von drei Israelis gegründet wurde, hat im vergangenen Monat ein Abkommen mit dem deutschen Raumfahrt-Unternehmen OHB unterzeichnet. Angestrebt sind künftige gemeinsame, kommerzielle Mond-Missionen.

Die Initiatoren hatten von Anfang an auch die Absicht, mit diesem Projekt Kinder für die Raumfahrt zu begeistern. Sie hoffen auf einen "Apollo"-Effekt analog zur ersten Landung eines Menschen auf dem Mond im Jahr 1969, die weltweit großes Interesse auslöste. Das Bildungsministerium und die israelische Weltraumbehörde haben ein Paket für Lehrer zusammengestellt, das in den nächsten Wochen in israelischen Schulen eingesetzt werden soll, wie Ofer Doron, Generalmanager der Raumfahrtabteilung bei Israel Aerospace Industries, erklärt: "Wir wollen damit nicht nur die Mond-Mission erklären, sondern die Kinder auch dazu ermutigen, groß zu denken und sich für Technik und Wissenschaft zu interessieren. Das Projekt ist nicht nur eine technologische Errungenschaft, sondern damit werden auch pädagogische Absichten verfolgt."

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