Bericht des Weltbiodiversitätsrats:Der Mensch darf die Natur nutzen, aber nicht ausbeuten

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Bericht des Weltbiodiversitätsrats: Das Mittelmeer ist das am stärksten überfischte Meer der Welt, was die Meeresfischzucht zu einem nachhaltigeren Modell für die Industrie macht.

Das Mittelmeer ist das am stärksten überfischte Meer der Welt, was die Meeresfischzucht zu einem nachhaltigeren Modell für die Industrie macht.

(Foto: Milos Bicanski/Getty Images)

Klar, der Mensch muss andere Tiere und Pflanzen nutzen, um zu überleben. Er sollte es aber nachhaltig tun.

Von Tina Baier

Der Mensch ist ein gefährliches Raubtier. Als Allesfresser geht er nicht nur auf die Jagd und fischt, sondern er vertilgt auch Unmengen an pflanzlicher Nahrung. Er nutzt die Natur und andere Lebewesen, um zu überleben, und grundsätzlich ist daran auch nichts falsch.

Das Problem ist nur, dass der Mensch es, anders als andere Raubtiere, übertreibt. Nach einem neuen Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES nutzt er nur ein Drittel der etwa 50 000 Arten, von denen sein Überleben abhängt, nachhaltig. Das bedeutet, dass zwei Drittel dieser Tiere und Pflanzen nach und nach immer weniger werden oder sonst irgendwie an ihre Grenzen stoßen, sodass sie bald nicht mehr als Nahrung zur Verfügung stehen.

Es ist, als ob eine Familie 30 Lebensmittel im Kühlschrank hat, in einer Woche 20 davon verbraucht, aber beim Großeinkauf am Wochenende nur zehn nachkauft: In der ersten Woche würden sogar zehn Lebensmittel übrig bleiben, in der zweiten Woche würde es gerade noch reichen, aber schon in der dritten würden nicht mehr alle satt.

Ein solches Verhalten ist extrem kurzsichtig, und man kann sich nur wundern, dass der Spezies Homo sapiens, die sich selbst ja für besonders schlau hält (und es in vielerlei Hinsicht auch ist), nichts Besseres einfällt.

Zugegeben, es ist nicht ganz trivial, die Ressourcen der Erde bei stetig steigender Zahl von Menschen nachhaltig zu nutzen. Doch es ist möglich. Das zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass indigene Völker dem Bericht zufolge in 87 verschiedenen Ländern auf insgesamt mehr als 38 Millionen Quadratkilometer Land seit Generationen so jagen, fischen und ernten, dass sich die Natur immer wieder erholen kann.

Mehr Schutzgebiete sowohl an Land als auch in den Ozeanen zu schaffen, wäre sicher ein Teil der Lösung, weil Tiere und Pflanzen dort einen Rückzugsort hätten, an dem sie sich erholen und ungestört vom Menschen fortpflanzen könnten. Doch es wäre falsch, den halben Planeten mit einem "Betreten-verboten-Schild" zu versehen. Zum einen, weil es die betroffenen Menschen extrem gegen Natur- und Artenschutz aufbringen würde. Zum anderen, weil die Vorstellung, man müsse die Natur nur sich selbst überlassen, damit sie sich dann sozusagen selbst heilt, zwar romantisch, aber nicht immer richtig ist.

In vielen Bereichen, etwa in der Fischerei, ist längst bekannt, was zu tun wäre, um die Erde nicht weiter auszubeuten, sondern so zu nutzen, dass immer genug übrig bleibt. Das schlaue Raubtier Mensch müsste dieses Wissen nur endlich in die Tat umsetzen.

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