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Intelligente Technik für Senioren:Hohe Akzeptanz bei erkennbarem Nutzen

"Die Akzeptanz ist bei älteren Menschen dann hoch, wenn der Nutzen für sie selbst offensichtlich ist", sagt Sibylle Meyer, die Vorsitzende eines für das Projekt eingesetzten Expertenrats AAL. Gerade Frauen, die den Großteil der alleinstehenden Älteren ausmachen, sind bereit für das eigenständige Leben mit smarter Technik. Einfach sollte sie sein, robust, tolerant bei Bedienungsfehlern. Und keinesfalls darf sie den Nutzer als alten Menschen stigmatisieren.

Alle Beteiligten müssen kooperieren, damit AAL sich wirklich durchsetzen kann - Forschung, Wirtschaft, Handel, Politik, Krankenkassen, Seniorenverbände und Pflegedienste. Ganze "Mobilitätsketten", müssten geschaffen werden, sagt Birgid Eberhardt vom Verband der Elektrotechnik, "inklusive der nötigen Dienstleistungen". AAL müsse Teil der Ausbildung von Architekten und Handwerkern werden, Gerätehersteller sich den Bedürfnissen nach Vernetzung anpassen: "Dazu brauchen wir offene Standards", sagt Eberhardt. Schließlich soll sich die Technik wie aus einem Guss bedienen lassen.

Offen ist noch die Finanzierung: Die Grundausstattung einer Wohnung ist mit etwa 2000 Euro plus der Kosten zusätzlicher Module nach dem Bedarf des Einzelnen nämlich noch recht teuer. Die Krankenkassen könnten aber viel Geld einsparen, wenn die

Technik die stationäre Unterbringung ihrer Mitglieder vermeidet. Auch für die Wohnungswirtschaft könnte sich, gerade in Gebieten mit vielen älteren Mietern und leerstehenden Wohnungen, die Investition in AAL-Ausstattung rentieren.

Allerdings müssen Kosten und Nutzen noch beziffert werden. Dazu sollen in Berlin mit Hilfe des BMBF 1000 Wohnungen mit AAL-Technik ausgestattet und ihre Bewohner fünf Jahre lang begleitet werden. Manches wird sich aber kaum messen lassen - was es zum Beispiel bedeutet wenn die Technik stark beeinträchtigten Menschen zwei Stunden am Tag schenkt, an denen sie autonom leben können.

Solche Freiräume zu schaffen, ist eines der Ziele der Forschung in Bremen. Darum arbeiten die Wissenschaftler daran, Technik mit Sprache zu steuern. "Guten Tag, Rolland", sagt Christian Mandels Kollege Bernd Gersdorf. "Guten Tag", antwortet eine Computerstimme. "Mach Licht über dem Küchentisch!" Der autonome Rollstuhl schickt ein Signal an den Lichtschalter und bestätigt: "Das Licht wurde eingeschaltet."

Dann hilft die Maschine auf Zuruf beim Kochen: Er bringt seinen Fahrgast selbständig zum Kühlschrank, dann zum Mikrowellenherd, der aus Gründen der Platzersparnis in der kleinen Küche oben zwischen den Wandschränken hängt. Ein stehender Mensch könnte das Gerät bedienen, Gersdorf aber gerade nicht. Der Rollstuhl gibt dem Herd Signal, sich auf Arbeitshöhe abzusenken. Auch die Hängeschränke könnten herunterfahren, um den Griff nach einem Teller zu ermöglichen.

Als das Essen fertig ist, fährt Rolland seinen Fahrgast zum Tisch. "Vielen Dank, Rolland", sagt Gersdorf. "Nichts zu danken", antwortet der Rollstuhl. Seine Spracherkennung ist mit dem Codewort vorerst deaktiviert. Auch die schlauesten Helfer müssen nicht alles mithören.