Hurrikan "Florence" Was "Florence" zum Monstersturm macht

  • Der Wirbelsturm Florence bekommt vom warmen Ozean ungewöhnliche Kraft.
  • Weitere Faktoren machen diesen Hurrikan besonders heftig.
  • Experten bezeichnen Florence als Lehrstück über den Klimawandel.
Von Hanno Charisius und Moritz Zajonz

Man könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass Roy Cooper, der Gouverneur des US-amerikanischen Bundesstaates North Carolina, zu Übertreibungen neigt, wenn er sagt: "Dieser Sturm ist ein Monster. Er ist groß und grausam." Doch er ist mit seinen Warnungen nicht allein. Wetter- und Klimaexperten pflichten ihm bei. Florence mache ihm "wirklich Angst", sagt etwa Ken Graham, der Leiter des Nationalen Hurrikan-Zentrums. Langanhaltender Regen, lebensbedrohliche Sturmfluten und Winde - auf all das müsse sich die Bevölkerung an der Ostküste der USA in den kommenden Tagen einstellen.

Mehr als eine Million Anwohner eines etwa 400 Kilometer langen Küstengebietes vor allem der Bundesstaaten North und South Carolina sollen ihre Wohnungen und Häuser vorsichtshalber verlassen. Der Hurrikan Florence bewegt sich seit einigen Tagen mit großer Geschwindigkeit auf diese Region zu. Am Mittwochmorgen hatte das Hurrikanzentrum die Bewohner der gefährdeten Gebiete zu zusätzlicher Eile angetrieben. Bereits am Donnerstag soll der Wirbelsturm auf die Küste treffen.

Hurrikan "Florence" trifft auf Land

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Damit ein Wirbelsturm solch monströse Ausmaße annehmen kann, wie Wetterexperten für Florence erwarten, braucht es besondere Bedingungen:

  • Das Ozeanwasser, über das Florence sich zurzeit hinwegbewegt, ist laut Hurrikanexperte Brian McNoldy von der University of Miami knapp 1,5 Grad Celsius wärmer als normal. Dabei ist das Wasser selbst unter normalen Umständen dort zu dieser Jahreszeit warm genug, damit sich ein Sturm zusammenbrauen kann. Die Wärme gibt dem Sturm zusätzlich Kraft. Warme Luft kann außerdem mehr Wasser aufnehmen als kalte und später zu massiven Regenfällen führen.
  • Florence braust aus Richtung Osten auf die Küste zu. Normalerweise bahnen sich Wirbelstürme ihren Weg zur US-Ostküste eher von Süden aus, ehe sie für gewöhnlich auf den Atlantik hinaus abdrehen. Doch Florence wird von einem Hochdruckrücken über der amerikanischen Ostküste umgeleitet. Der letzte Wirbelsturm dieser Stärke, der eine ähnliche Bewegungsrichtung hatte, war mit enormer Zerstörungskraft Hazel im Jahr 1954.
  • Durch die aktuelle Wetterlage verlangsamt sich der Sturm, wenn er auf die Küste stößt. Er könnte tagelang über North und South Carolina hängen bleiben, wobei die genaue Richtung des Hurrikans sich derzeit noch nicht genau festlegen lässt. In dieser Zeit wird er voraussichtlich riesige Wassermassen über dem Festland abregnen lassen. Experten rechnen mit vereinzelt knapp 90 Zentimetern Niederschlag. Das Wettermodell, das die 150 Zentimeter Niederschlag von Hurrikan Harvey im vergangenen Jahr korrekt vorhergesagt hatte, prognostiziert für die kommenden Tage mancherorts 115 Zentimeter Wasser.

Florence ähnele Harvey ein bisschen "in dem Sinne, dass er auf die Küste rauscht und dann zu einem kreischenden Stopp kommt", sagt der Professor für Meteorologie am Massachusetts Institute of Technology, Kerry Emanuel. "Je länger er bleibt, desto mehr Wind und desto mehr Regen", erklärt Ken Graham. Das bedeute "mehr Bäume, die umfallen könnten, mehr Stromausfälle".

Der Wirbelsturm ist aber nicht nur außergewöhnlich nass und stark, sondern erreicht auch immense Ausmaße. Seine tropensturmstarken Winde erstrecken sich vom Zentrum des Hurrikans in alle Richtungen über 270 Kilometer - das ist in etwa die Distanz zwischen Hamburg und Berlin.

Die größten Gefahren eines Hurrikans gehen allerdings nicht vom Wind aus, sondern von den Sturmfluten, die der Wirbelstrum auslösen kann. Sturmfluten hätten das Potenzial, viele Menschen zu töten und großes Zerstörungspotenzial, zitiert der Fernsehsender CNN die Nationale Katastrophenschutzbehörde FEMA. Die erwarteten Regenmassen könnten Flüsse über die Ufer treten lassen und Erdrutsche auslösen, warnte das Hurrikan-Zentrum.

Florence wird auch durch den Einfluss des Klimawandels geprägt. Die Trägheit dieses Hurrikans werde man künftig häufiger bei Stürmen beobachten, sagt der Klimaforscher Jim Kossin von der amerikanischen Wetter- und Ozeanbehörde NOAA. Das hängt unter anderem mit Veränderungen der Höhenwinde zusammen, die Wettergebiete in der Atmosphäre der Erde verschieben.

Mit Material von AP, DPA

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