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Haustiere:Der den Wolf zähmt

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Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen. Doch wie genau die Beziehung begann, weiß man nicht.

(Foto: imago images/Action Pictures)

Archäologen vermuten, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund schon vor 23 000 Jahren in Sibirien begann.

Von Tina Baier

Das erste Haustier des Menschen war ein Hund. Besser gesagt ein Wolf, der gezähmt wurde oder auch freiwillig die Nähe des Menschen suchte, um die Reste von dessen Beute zu fressen. Wie genau die Beziehung zwischen Mensch und Hund begann, weiß man nicht. Auch darüber, wo es passierte, gibt es verschiedene Theorien. Nach einer neuen Untersuchung im Wissenschaftsjournal PNAS war es im heutigen Sibirien und zwar schon vor 23 000 Jahren. Mitten in der letzten Eiszeit.

Sibirien, das die meisten heute mit eisiger Kälte und unwirtlichen Lebensbedingungen in Zusammenhang bringen, war damals einer der wenigen Orte auf der Erde, an denen Menschen und Tiere überleben konnten. Das belegen sowohl Klimadaten als auch jede Menge Knochenfunde unter anderem von Mammuts, Pferden, Menschen und eben auch Wölfen. Alle zusammen waren damals in einer Art Schicksalsgemeinschaft Tausende von Jahren vom Rest der Welt abgeschnitten. Schnee, Eis und Kälte verhinderten, dass sie die Region verlassen konnten.

Noch heute lassen sich aus fossilen Knochen, die Archäologen in Sibirien ausgegraben haben, Überreste des Erbguts der damals lebenden Tiere und Menschen isolieren. Ein Vergleich dieser DNA mit Funden in anderen Erdregionen lässt Rückschlüsse darauf zu, wie sich die Lebewesen von Sibirien aus nach Amerika und in andere Erdregionen verbreitet haben, als die klimatischen Bedingungen es wieder zuließen.

Gemeinsam passierten sie die Beringbrücke

Als Angela Perri, Archäologin an der britischen Durham University, solche populationsgenetischen Daten über die Ausbreitung des Hundes mit Daten von Kollegen verglich, die sich mit der Ausbreitung des Menschen von Sibirien nach Amerika beschäftigten, stieß sie auf frappierende Parallelen. Diese Entdeckung ist die Grundlage der aktuellen Untersuchung, in der die Wissenschaftler davon ausgehen, dass bereits domestizierte Hunde vor etwa 15 000 Jahren gemeinsam mit den Menschen die Beringbrücke zwischen Sibirien und Alaska passierten und Amerika erreichten.

Ein weiterer Beleg dafür, dass Hunde bereits vor 23 000 Jahren in Sibirien von Menschen domestiziert worden sind, findet sich nach Ansicht der Archäologen im Erbgut, das aus den ältesten Hundefossilien isoliert werden konnte, die in Amerika gefunden wurden. Die Analyse dieser fossilen DNA ergab nämlich erstens, dass diese Tiere alle eng miteinander verwandt sind, und zweitens, dass sie alle einen gemeinsamen Vorfahren haben, der vor etwa 23 000 Jahren lebte. Also genau zu der Zeit, als Menschen und Wölfe gemeinsam im heutigen Sibirien lebten.

Auch später überschneiden sich die Muster, nach denen Menschen und Hunde neue Gebiete besiedelten. Das könnte den Autoren zufolge bedeuten, dass die Hunde schon zahm waren und sich an der Seite des Menschen über die ganze Erde ausgebreitet haben. Doch darüber gibt es unterschiedliche Theorien.

Klar ist, dass die meisten modernen Hunde von einer von drei Ahnenlinien abstammen: einer westeurasischen, die vor allem bei Hunden in Europa, Indien und Afrika ihre Spuren hinterlassen hat, einer ostasiatischen, zu der unter anderem die Dingos gehören, und einer arktischen, deren Erbgut sich heute noch in Huskies findet.

© SZ
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