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H1N1-Impfung:"Das kann ein Millionen-Flop werden"

Die Impfung gegen die Schweinegrippe ist gerade angelaufen, das Serum noch nicht überall erhältlich. Doch Experten sprechen bereits von "Impfmüdigkeit".

Die größte Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik ist vielerorts nur schleppend angelaufen. Zwar waren zumeist Berufsgruppen wie Ärzte, Schwestern, Rettungskräfte und Polizisten zu der Immunisierung gegen die Schweinegrippe aufgerufen. In einigen Ländern konnten sich aber bereits alle Patienten impfen lassen.

Impfung Schweinegrippe, dpa

Andrang bei der Impfung? Fehlanzeige.

(Foto: Foto: dpa)

Auch in Bayern verlief der Start der umstrittenen Schweinegrippeimpfung schleppend. Mehrere Münchner Ärzte berichteten, sie hätten noch keine Lieferungen des Impfstoffs erhalten und könnten ihren Patienten deshalb auch noch keinen exakten Termin zusagen. Im Freistaat steht die Impfung schon jetzt allen Bürgern offen.

In Berlin ist nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit vorerst für zwei Millionen Bürger Impfstoff vorhanden. In der Hauptstadt werden zunächst Beschäftigte im Gesundheitsdienst, Polizei und Feuerwehr geimpft. In der Düsseldorfer Impfzentrale wurden rund zehn Menschen pro Stunde geimpft.

Dagegen wird in Niedersachsen die Impfung erst in einigen Tagen starten. Derzeit werden die ersten beiden Impfstofflieferungen mit zusammen mehr als 200.000 Impfdosen an die Apotheken des Landes verteilt.

Experten riefen erneut eindringlich dazu auf, an der Aktion teilzunehmen. "Wir raten durchaus zur Impfung, denn es ist nicht abzusehen, wie stark sich die Grippe entwickelt", sagte der Regensburger Medizinprofessor Wolfgang Jilg, der auch Mitglied der Ständigen Impfkommission ist, dem Bayerischen Rundfunk.

Die geplante bundesweite Immunisierung hatte schon vor Beginn für großen Wirbel gesorgt: Hintergrund sind Wirkstoffverstärker, die die Spritze weniger verträglich machen können als normale Influenza-Impfungen. Außerdem wurde bekannt, dass die Bundesregierung für Spitzenpolitiker, hohe Bundesbeamte und Soldaten einen Impfstoff bestellt hat, der anders als der für die Normalbevölkerung keine Verstärker enthält.

Der Berufsverband Deutscher Internisten warnte vor den Folgen einer generellen Impfmüdigkeit. Verbandspräsident Wolfgang Wesiack warf der Regierung ungeschicktes Vorgehen vor, mit dem sehr viel Vertrauen in der Bevölkerung verspielt worden sei: "Das kann ein Millionen-Flop werden", warnte er.

Sorge wegen Nebenwirkungen

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker rief unterdessen alle Geimpften dazu auf, mögliche Nebenwirkungen mitzuteilen. Das gelte besonders im Fall von Kleinkindern und Schwangeren. Der Vorsitzende des Gremiums, Martin Schulz, erklärte: "Soweit wir derzeit wissen, ist die Impfung gut verträglich. Um seltene Nebenwirkungen zu entdecken, bitten wir alle Patienten, ihren Arzt oder Apotheker über beobachtete Nebenwirkungen zu informieren." Auch bereits bekannte unerwünschte Wirkungen sollten gemeldet werden, damit deren Häufigkeit oder Schweregrad künftig besser eingeschätzt werden könnten.

Als Nebenwirkungen traten bei den Impftests vor allem Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber auf. Bundesweit gibt es inzwischen rund 25.000 nachgewiesene Schweinegrippe-Fälle, drei Menschen sind gestorben.

© sueddeutsche.de/AP/dpa/beu/holz
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