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Geschichte - Berlin:Fotos von Demjanjuk im Konzentrationslager Sobibor

Bayern
John Demjanjuk sitzt vor Polizeibeamten im Rollstuhl. Foto: Lukas Barth/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Berlin/München (dpa/lby) - In dem Nachlass eines früheren Kommandanten des Vernichtungslagers Sobibor sind nach Angaben des Berliner NS-Dokumentationszentrums Topographie des Terrors Fotos des NS-Täters John Demjanjuk aufgetaucht. Es sei das erste Mal, dass der 2011 in München verurteilte Nazi-Helfer auf dem Lagergelände zu sehen ist. Das ist eine kleine Sensation: Demjanjuk hatte bis zu seinem Tod im März 2012 nicht zugegeben, Aufseher in Sobibor gewesen zu sein.

Der Prozess gegen ihn, in dem er 2011 in München wegen Beihilfe zum Mord an 28 060 Juden zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, war ein zäher Indizienprozess. Demjanjuk starb 2012 mit 91 Jahren in einem Altenheim in Bad Feilnbach bei Rosenheim. Das Urteil gegen ihn wurde nie rechtskräftig, weil er starb, bevor über die von Verteidigung und Staatsanwaltschaft beantragte Revision entschieden war.

Der gebürtige Ukrainer war einer der letzten Nazi-Verbrecher, die für ihre Taten zur Verantwortung gezogen wurden und hatte vor seiner Auslieferung nach Deutschland jahrzehntelang unbehelligt als Automechaniker in den USA gelebt.

Die alten Fotos, auf denen er nun zu sehen sein soll, stammen nach Angaben des Berliner Dokumentationszentrums aus dem Nachlass von Johann Niemann, dem stellvertretendenden Kommandanten des Vernichtungslagers Sobibor.

Sie gehören zu einer Reihe von mehr als 350 Fotos von der sogenannten "Aktion Reinhardt", bei der nach Angaben des NS-Dokumentationszentrums 1,8 Millionen Juden in dem von Deutschland besetzten Polen ermordet wurden.

Die Bilder böten bisher unbekannte Einblicke in die nationalsozialistischen Massenverbrechen und zu den deutschen Lagern im besetzten Polen, hieß es aus Berlin. Sie sollen der Öffentlichkeit nun vom 28. Januar an in Berlin gezeigt werden. Das Dokumentationszentrum arbeitet dazu mit dem Bildungswerk Stanislaw Hantz und der NS-Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart zusammen.

Niemann, dessen Fotos nun womöglich ein neues Licht auf den Fall Demjanjuk werfen, stammte aus dem Emsland und trat 1934 in die Wachmannschaft des Konzentrationslagers Esterwegen ein. Nach einer Station in Sachsenhausen und in der "Kanzlei des Führers" wurde er bei der "Aktion T4" eingesetzt, bei der etwa 80 000 vermeintlich körperlich und geistig unheilbar Kranke ermordet wurden. Danach war er am Aufbau des ersten "Aktion Reinhardt"-Lagers in Belzec beteiligt, später kam er nach Sobibor. Niemann wurde bei einem Gefangenenaufstand am 14. Oktober 1943 zusammen mit zehn weiteren SS-Männern getötet.

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