Fortpflanzung:Triumph der Schwächlinge

In der Liebe hat jeder seine Masche, und nicht nur die Schönen und Starken finden einen Partner. Das belegt einmal mehr eine Studie an Fischen. An hässlichen Fischen.

Sebastian Herrmann

Die Natur liefert männliche Fische der Art Poecilia parae in mehreren Farbvarianten, meist mit Streifen auf grauem Hintergrund: rot, gelb, blau, schwarz sowie grau in grau.

Das ist insofern erstaunlich, als die Weibchen dieser Zahnkärpflinge sich am liebsten mit roten oder gelben Männchen paaren.

Warum sind die anderen Varianten dann nicht längst verschwunden? Die Antwort, die Biologen um Jorge Luis Hurtado-Gonzales von der Universität Syracuse liefern, lautet in etwa: Weil in der Liebe jeder seine Masche hat und seine Chance erhält (BMC Evolutionary Biology, online).

Die roten und gelben Schönlinge erobern die Gunst der Weibchen durch ihr vorteilhaftes Äußeres. Wenn sie aber auf einen besonders kräftigen Konkurrenten treffen, dem sie im Kampf Flosse gegen Flosse unterlegen sind, schwindet ihre Anziehungskraft. In diesem Fall paaren sich die Weibchen auch mit blauen oder schwarz gestreiften Männchen - Muskeln beeindrucken mehr als schön gefärbte Körper.

Bleiben also noch die grauen, eintönigen Männchen, die zudem die kleinsten und schwächsten Fische sind.

Auch diese kommen zum Zug: Sie sind so unauffällig, dass sie sich erfolgreich an Weibchen anpirschen, während andere Männchen gerade im Kampf mit ihren Kräften protzen.

Außerdem verfügen die kleinen grauen Fische über die größten Genitalien und produzieren mehr Spermien als die kräftigen und schönen Kollegen. So ist im Reich der Zahnkärpflinge für alle gesorgt - und Biologen können sich erklären, warum vermeintlich unattraktive Fische nicht aussterben.

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