Earth TalksDie Alpen haben einen Knick

Hart, stabil und felsenfest erscheinen die Alpen. Doch Falten im Gestein, bis zu Hunderte Meter groß, zeugen von einer bewegten Geschichte. Wie kann sich Fels so verbiegen?

Die Serie "Earth Talks" widmet sich geologischen Phänomenen. Alle Folgen hier.

Die wohl schönste Gesteinsfalte der Alpen liegt in der steilen Felswand des Bergmassivs Dent des Morcles, das sich 2969 Meter hoch über das Rhonetal nahe Sion in der Schweiz erhebt.

Die hellen und dunklen Gesteinsschichten lagen einst flach auf dem Grund des Tethysmeeres - dem Ozean, der vor etwa 100 Millionen Jahren die Urkontinente Afrika und Europa voneinander trennte.

Vor etwa 50 Millionen Jahren begannen sich die beiden Kontinentalplatten aufeinander zu schieben. Dabei gerieten die Kilometer dicken Gesteinsschichten im Untergrund des Urmeeres unter einen unvorstellbaren Druck. Das Meeresbecken der Tethys wurde allmählich auf ein Drittel seiner ursprünglichen Breite gestaucht. Es wurde zur Knautschzone. Die ursprünglich flach liegenden Gesteinsschichten brachen, verkeilten sich ineinander und krümmten sich, teils ins Erdinnere und teils nach oben gen Himmel gepresst. Die Alpen wurden geboren.

Sobald die Felsmassen aus dem Meer auftauchten, setzte Erosion, Verwitterung und Abtrag dem jungen Alpengebirge zu. Vor allem die Eiszeitgletscher schmirgelten das Gestein ab und schürften im Lauf der Zeit gewaltige Täler aus. Als sie schmolzen, wurde die innere Struktur der Alpen sichtbar - mit all ihren kleinen und großen Falten.

Bild: Bernhard Edmaier 11. November 2019, 04:492019-11-11 04:49:08 © SZ.de/cvei