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Earth Talks:Aschewolke voraus

Der Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island vor zehn Jahren hat den internationalen Flugverkehr auf Wochen lahmgelegt. Neben Chaos und Zerstörung kann Vulkanasche auch Segen bringen.

Von Angelika Jung-Hüttl (Text) und Bernhard Edmaier (Fotos)

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Quelle: Bernhard Edmaier; Bernhard Edmaier

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Die Serie "Earth Talks" widmet sich geologischen Phänomenen. Alle Folgen hier.

Der Ausbruch begann am 20. März 2010. Am Rand des vergletscherten Vulkans Eyjafjallajökull an der Südküste Islands riss eine Spalte auf - und spektakuläre Lavafontänen schossen in die Luft. Nur hin und wieder stieg eine Aschewolke in den Himmel. Die 500 Einwohner in der näheren Umgebung wurden evakuiert.

Drei Wochen später verlagerte sich der Ausbruch zum Gipfel des 1666 Meter hohen Berges. Er durchschmolz die knapp 200 Meter dicke Eisdecke. Gewaltige Dampfexplosionen ließen Wolken Tausende Meter hoch in den Himmel quellen, die dunkelgrau und schwarz gefärbt waren von vulkanischer Asche. Sie legten wochenlang den Flugverkehr auf der Nordhalbkugel lahm.

Der Ausbruch zog sich - mal stärker, mal schwächer - bis zum 9. Juli hin. Diese Luftaufnahme stammt vom 2. Mai 2010 nachmittags.

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Die Lava, die aus einer etwa 500 Meter langen Spalte in der Gipfelcaldera des Eyjafjalla-Vulkans ausfloss, war durch die Eruptionswolken kaum zu sehen.

Früher glaubten die Menschen, dass Vulkane die Abzugsschlote für Brände im Erdinnern sind, nach dem Motto: "Wo Feuer ist, muss auch etwas brennen." Als Asche bezeichneten sie deshalb den Auswurf aus schwarzen Sand und Staub, der mit den großen Explosionswolken aus den Kratern herausgeschleudert wird.

Dass es sich dabei nicht um Verbrennungsprodukte handelt, stellte sich 1883 heraus, als eine Kommission der britischen Royal Society den Auswurf des berühmten Krakatau-Ausbruchs in Indonesien unter dem Mikroskop untersuchte. Es handelte sich dabei nicht um Asche, wie man sie aus dem Holz- oder Kohleofen kennt. Die Körnchen entpuppten sich als winzige kleine, glasige Gesteinssplitter, als feinste Partikel von Lava.

Vulkanasche und Vulkanstaub entstehen bei starken Explosionen, wenn viel Wasserdampf oder vulkanische Gase im Spiel sind und die Schmelze durch die große Wucht beim Herausschleudern aus dem Krater in winzig kleine Tröpfchen zerstiebt, die schnell aushärten. Bis zu einer Partikelgröße von 0,16 Millimetern spricht man von Vulkanstaub, bis zu einer Größe von zwei Millimetern von Vulkanasche. Größere Partikel bezeichnet man als Lapilli, noch größere - bis 64 Millimeter Durchmesser - sind vulkanische Bomben.

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Der Flughafen der sizilianischen Stadt Catania muss manchmal schließen, wenn der 3350 Meter hohe Vulkan Ätna Aschewolken spuckt - wie hier gleich aus mehreren Kratern im Oktober 2002. Die Vulkanasche stieg mehr als 6000 Meter hoch in den Himmel. Höhenwinde trugen sie bis weit nach Griechenland und über Malta hinweg bis nach Algerien.

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Mit jeder neuen Explosion katapultierte der Berg im Oktober 2002 gewaltige Mengen an Wasserdampf und Asche in die Höhe. In den Dörfern an der Ostflanke des Vulkans verfinsterte sich der Tag, so dass Straßenlaternen eingeschaltet werden mussten. Die Menschen trugen Tücher um Mund und Nase, um sich vor den Staubpartikeln und Gasen zu schützen.

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Wer in Europa eine Vulkanexplosion mit Lava- und Aschenauswurf beobachten möchte, muss nach Stromboli reisen - eine der Liparischen Inseln nördlich von Sizilien. Das Eiland ist der Gipfel eines untermeerischen, daueraktiven Vulkans, der sich 926 Meter über den Meeresspiegel erhebt. Gut 500 Menschen leben auf der Insel. Im Sommer kommen viele Touristen dazu.

Je nach Aktivität bricht er einmal oder mehrmals pro Stunde aus. Nachts fahren Boote um die Insel herum, von denen aus die Eruptionen wie Feuerwerke gut zu sehen sind. Man kann den Gipfel auch unter fachkundiger Führung besteigen, und die Ausbrüche nicht nur aus der Nähe anschauen, sondern auch das Grollen des Vulkans hören, das Zittern des Bodens spüren und die ätzenden Schwefelgase riechen.

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Aschewolken, die mehrere Hundert Grad Celsius heiß mit 500 Stundenkilometern Geschwindigkeit den Hang hinunter rasen, wie hier am Soufrière-Hills-Vulkan auf der Karibikinsel Montserrat, gehören zu den größten vulkanischen Gefahren überhaupt.

Der Soufière-Hills-Vulkan hat 400 Jahre lang geschlafen, bevor er 1995 wieder erwachte. Seine Lava ist sehr zähflüssig und verstopft den Schlot. Durch den Druck aus dem Erdinnern kommt es immer wieder zu Explosionen, wobei die Aschewolken so schwer mit Material beladen sind, dass sie nicht in den Himmel aufsteigen, sondern in sich zusammenfallen und sich wie heiße Staublawinen über die Vulkanflanken ergießen. Vulkanologen sprechen von einer Glutlawine oder einem pyroklastischen Strom. Wer dort hinein gerät, stirbt einen schnellen Erstickungstod und der Körper verkohlt.

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Ruinen eines Farmhauses unter dem Gipfel des Soufière-Hills, das von einer Glutlawine überrollt wurde. Die Bäume wurden abrasiert, die Stämme verkohlten, Mauern stürzten ein und eine teilweise meterdicke Schicht aus heißer Vulkanasche und Gestein überdeckte die Landschaft. Sie brauchte Monate, um abzukühlen.

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Der schwarze Vulkankegel des 5023 Meter hohen Vulkans Tungurahua in Ecuador zeigt die guten Seiten der Vulkanasche. Vor allem in den warmen und feuchten Gegenden der Erde verwittert sie rasch. Weil sie aus vielen für die Landwirtschaft wertvollen Mineralien zusammengesetzt ist, wirkt sie dann wie ein Dünger und macht die Böden fruchtbar. Deshalb leben oft viele Menschen in der Umgebung von aktiven und auch gefährlichen Vulkanen. Sie nehmen das Risiko in Kauf, weil sie dort eine ertragreiche Landwirtschaft betreiben können.

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Die Aufnahmen in diesem Text stammen aus dem Fotoblog "Earth Talks" von Bernhard Edmaier. Sie erscheinen hier in einer Kooperation. Mehr dazu auf www.bernhard-edmaier.de/blog

© SZ.de/cvei
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