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Evolution des Menschen:Greifen und gehen

Seit die Forscher auch Daten der Raumfähre Challenger auswerten, die 1984 Äthiopien überflog, kommen neue Fundstellen wie die von Worenso-Mille hinzu. Millionen Jahre lang waren die Fossilien von Schichten vulkanischen Gesteins bedeckt und geschützt, jetzt kommen sie aufgrund von Bodenbewegungen und Erosionen an manchen Stellen ans Tageslicht.

Die acht Fußknöchelchen von Woranso-Mille hat das Team um Yohannes Haile-Selassie akribisch vermessen. Der große Zeh ist eher kurz und anders als beim Menschen abgespreizt. Zusammen mit dem zweiten Zeh konnte der Vormensch damit gut greifen und klettern. Gleichzeitig zeigt der Fuß schon Merkmale des aufrechten Gangs, so konnte das Wesen seine Zehen überstrecken und sich daher besser aus dem Stand abdrücken. Der Fuß erinnere trotzdem mehr an den eines Gorillas, sagt Haile-Selassie.

Menschliche Füße unterscheiden sich deutlich von denen der Affen. Die Zehen zeigen zum Beispiel alle in eine Richtung, die von Affen nicht. Schimpansen und Gorillas können zwar prinzipiell auch auf zwei Beinen laufen, ihr Gewicht lastet aber seitlich auf den Außenseiten der Füße. Menschen haben eine relativ große, stabile Ferse und ein gut entwickeltes Fußgewölbe. Dieses verlagert das Körpergewicht nach innen Richtung Basis des großen Zehs und hilft so dabei, beim Gehen den Körper nach vorne und oben abzustoßen.

Viele dieser modernen Eigenschaften zeigen bereits die Füße von Lucy von der Gattung Australopithecus afarensis. Sie konnte sich schon dauerhaft mit einer Geschwindigkeit von 1,3 Meter pro Sekunde aufrecht am Boden bewegen. Bei dem Wesen, dessen Fußknochen nun aufgetaucht sind, war das noch nicht der Fall. Die Funde erinnern eher an den Fuß von Vormenschen der Gattung Ardipithecus ramidus, zu denen Ardi gehört. Sie waren vorwiegend Baumbewohner.

Dies zeige, dass es vor 3,4 Millionen Jahren mehr als eine Menschenart gab, schreiben die Autoren in Nature. Zudem müsse sich eine Menschenart mit der speziellen Anpassung des Bewegungsapparats von Ardipithecus ramidus hartnäckig gehalten haben, mindestens eine Million Jahre lang.

Offenbar war die Anpassung an eine Welt zwischen Bäumen und Boden lange Zeit von Vorteil. "Menschliche Evolution wird oft als Triumph des aufrechten Gangs dargestellt", schreibt der Humanbiologe Daniel Lieberman von der Universität Harvard. "Aber wer von uns hat nicht schon manchmal bedauert, wie vergleichsweise tollpatschig wir uns in Bäumen fortbewegen?"