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Erziehung:Meine Puppe, dein Auto

Girl playing with doll and hairdressing toys model released Symbolfoto property released PUBLICATION

"Milde genetische Veranlagung": Mädchen spielen gerne mit Puppen.

(Foto: imago/Westend61)
  • Mädchen spielen lieber mit Mädchenspielzeug; und Jungen beschäftigen sich lieber mit Jungsspielzeug - sagt eine Studie, erschienen in der Fachzeitschrift Infant and Child Development.
  • Die Spielzeugvorlieben "scheinen das Ergebnis von angeborenen und sozialen Faktoren zu sein", so die Forscher.
  • Der Einfluss der Eltern stößt auch an Grenzen, weil der höchste Konformitätsdruck unter Kindern selbst herrscht.

Eltern entwickeln die besten Pläne, die dann an ihren Kindern zerschellen. So schwören viele gerade, sich dem Hellblau-und-Rosa-Wahn der Spielzeugindustrie zu verweigern. Ihre Kinder, so betonen sie, bekämen kein Spielzeug, das spezifisch für Jungs oder Mädchen angeboten wird, ihre Kinder würden befreit von den Fesseln lähmender Stereotype aufwachsen.

Soweit die Theorie. In der Praxis rotten sich gerade erster Wörter mächtige Jungs auf dem Spielplatz um ein Plastikdings zusammen und rufen in schier grenzdebiler Begeisterung: "Bagger! Bagger!" Daneben backen die Mädchen Kuchen in Glitzer-Schmetterling-Förmchen und machen selig ihr Ding. Nur die Eltern sind unglücklich, sehen sich in ihrem Groll auf die Industrie bestätigt und denken: Was haben wir nur falsch gemacht?

Nichts, lautet die Antwort. Mädchen und Jungen bevorzugen unterschiedliches Spielzeug, egal wie die Eltern das finden. Psychologen um Brenda Todd von der University of London haben in der Fachzeitschrift Infant and Child Development eine Analyse der Studienlage der vergangenen 85 Jahre veröffentlicht - und das Ergebnis ist klar: Mädchen spielen lieber mit Mädchenspielzeug; und Jungen beschäftigen sich lieber mit Jungsspielzeug.

Die Spielzeugvorlieben "scheinen das Ergebnis von angeborenen und sozialen Faktoren zu sein"

Die Forscher werteten Studien mit bis zu achtjährigen Kindern aus, in denen diese selbst Spielzeuge aus einem Angebot auswählen konnten. Als jungstypisch galten Fahrzeuge, als mädchentypisch Puppen und als neutral etwa Puzzle oder Bücher. Der Effekt zeigte sich unabhängig davon, wann und wo die Studien gemacht worden waren. Es spielte auch keine Rolle, ob in den Herkunftsländern der Kinder besonderer Wert auf Geschlechtergleichheit gelegt wurde, die Präferenzen unterschieden sich stets deutlich.

Vielleicht spendet die Arbeit der Psychologin Eltern Trost, wenn der Sohn sich unbedingt vor Waffen starrende Lego Nexo Knights wünscht oder die Tochter mit größtem Nachdruck nach einer Barbiepuppe verlangt. Mit Erziehungsversagen hat das erst mal nichts zu tun. Die Spielzeugvorlieben "scheinen das Ergebnis von angeborenen und sozialen Faktoren zu sein", so die Forscher. Es existiert eine milde genetische Veranlagung, dass Jungen eher auf Fahrzeuge und Mädchen eher auf Puppen stehen. Das ist erst mal weder gut noch schlecht - sondern einfach so. Verstärkt werden diese Grundvorlieben durch das soziale Umfeld: Rollenvorstellungen, Medien, Werbung und das Spielzeugangebot. Bezogen auf die Industrie bedeutet das: Mit geschlechterspezifischen Waren befriedigen Firmen ein bestehendes Bedürfnis - und heizen es an.

Der Einfluss der Eltern stößt auch an Grenzen, weil der höchste Konformitätsdruck unter Kindern selbst herrscht. Besonders Drei- bis Fünfjährige hacken auf anderen Kleinen herum, so Todd, wenn diese mit dem falschen Spielzeug spielen. Von etwa sieben Jahren an lassen der kindliche Konformitätsdruck und auch das Interesse an geschlechtsspezifischem Spielzeug langsam wieder nach. Aus den überaus meisten Kindern wachsen dann doch recht vernünftige Erwachsene heran. Und kein Kind geht automatisch an die dunkle Seite verloren, wenn sein Lieblingsspielzeug den gesellschaftspolitischen Vorstellungen seiner Eltern widerspricht.

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