Coronavirus:Was über die neue Mutation AY.4.2 bekannt ist

Coronavirus: Mitarbeiterin in einem Labor

Eine Forscherin betrachtet die Strukturen von Corona-Spike-Proteinen mit Mutationen in einem Labor des Instituts für Molekulare Biotechnologie in Wien.

(Foto: dpa)

Eine neue Virusvariante breitet sich aus, vor allem in Großbritannien. Israel reagiert nervös, doch Forscher sehen sie nicht als Treiber der Infektionszahlen.

Von Peter Münch und Berit Uhlmann

In der Beobachtung von Corona-Virusvarianten ist Großbritannien einer der weltweiten Vorreiter. So kam aus dem Land auch jene Nachricht, die nun einige Fachleute aufhorchen lässt. In jüngster Zeit verbreitet sich eine Unterform der Deltavariante in England, teilte die neu gegründete Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency in ihrem jüngsten Bericht mit. Demnach wurde die Subvariante namens AY.4.2 zuletzt in etwa sechs Prozent der untersuchten Proben gefunden - Tendenz steigend.

Sehr viel ist über diese AY.4.2 allerdings nicht bekannt. Der Subtyp vereint zwei Mutationen im Stachelprotein des Virus, die man bereits seit Längerem kennt - und die bisher nicht durch besorgniserregende Eigenschaften auffielen. "Keine der beiden Mutationen ist a priori ein naheliegender Kandidat für eine erhöhte virale Übertragbarkeit", sagt Francois Balloux, Leiter des Instituts für Genetik am University College London: "Aber wir haben gelernt, dass Mutationen unterschiedliche, manchmal unerwartete Auswirkungen in verschiedenen Stämmen haben können."

Die zunehmende Verbreitung von AY.4.2 spricht dem Genetiker zufolge dafür, dass sie etwa zehn Prozent ansteckender ist als die derzeit zirkulierende Delta-Variante. Das ist kein gigantischer Zuwachs. Hinzu kommt, dass sie derzeit noch recht selten in England ist. Damit dürfte sie nur eine kleine Zahl zusätzlicher Infektionen verursacht haben, sagt Balloux: "Der jüngste Anstieg der Fallzahlen im Vereinigten Königreich ist also nicht darauf zurückzuführen."

Auch andere britische Wissenschaftler sehen die neue Mutante nicht als Treiber der steigenden Infektionszahlen auf der Insel. Julian Tang, Virologe der University of Leicester, nennt als Gründe vielmehr die Aufhebung aller Covid-Maßnahmen, die Schulen, in denen täglich viele ungeimpfte Kinder zusammenkommen und die nachlassende Immunität bei denjenigen, die die Impfungen als Erstes bekamen.

Auch in anderen Ländern wurde AY.4.2 bereits festgestellt, so in den USA, Russland und auch Deutschland. Hierzulande wurde die Subvariante seit Anfang Juli etwa 280 Mal entdeckt, teilte das Robert-Koch-Institut mit. Ihr Anteil an allen untersuchten Proben lag bisher bei maximal 0,5 Prozent.

Besonders alarmiert hat Israel reagiert. Dort wurde die neue Covid-Variante Mitte dieser Woche erstmals entdeckt - bei einem elfjährigen Jungen, der aus Moldawien zurückgekehrt war. Inzwischen gibt es fünf bekannte Fälle. Um sogleich die Wachsamkeit der Regierung zu demonstrieren, rief Premierminister Naftali Bennett noch am Mittwochabend eine Runde von Gesundheitsexperten zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Es folgte die zunächst noch vage Ankündigung "schneller Maßnahmen", um die bisherigen Erfolge im Kampf gegen das Virus zu bewahren.

Die neue Sorge trifft das Land in einer Zeit, in der die Regierung nach Monaten hoher Infektionszahlen gerade Entwarnung gegeben und ein baldiges Ende auch dieser inzwischen vierten Corona-Welle verheißen hatte. Am Donnerstag gab Premier Bennett seine Zustimmung zu dem lange diskutierten Plan, die seit März 2020 verbotene Einreise ausländischer Touristen für Geimpfte und Genesene ab dem 1. November wieder zu erlauben. Endgültig genehmigt werden muss das noch vom gesamten Kabinett. Berichten zufolge könnte jedoch weiterhin die Einreise aus solchen Ländern verboten werden, in denen ein Ausbruch der Variante AY 4.2 gemeldet wird.

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